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MAK

Full text : Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 5)

dingten Notwendigkeit zu tun. - Wiewohl England vom Rasseln seiner

Webstühle betäubt wird, sind seine Kinder ohne Kleider; wiewohl es

vom Schmutz seiner Gruben geschwärzt ist, erfrieren seine Kinder; wiewohl

es seine Seele um Gold verschachert, sterben sie Hungers. Wir mögen in

diesem Triumph verharren, wenn es uns ratsam dünkt; aber dessen dürfen

wir sicher sein: die schönen Künste werden ihn nicht mit uns teilen!" -

Und in dem Kapitel „Unsere Häuser": „Wenn die Menschen so lebten wie

sie sollten, dann wären ihre Häuser wie Heiligtümer ä Heiligtümer, welche

wir nicht zu schädigen wagten und solche, welche uns, wenn wir sie

bewohnen dürften, gewissermaßen heiligten. - Und ich schaue auf die

armseligen Kalk- und Lehmbauten, die mit frühzeitiger Unreife um die

Weichbilder unserer Großstädte aufschießen, ich schaue auf diese leichten,

schwankenden haltlosen Kartenhäuser aus splitterdünnem Holz und nachgemachtem

 Stein, auf diese düsteren Reihen gleichförmiger Geringheit, eine

wie die andere, ohne Verschiedenartigkeit, ohne fördernde Genossenschaft

- so verwaist als verwandt -, ich schaue auf sie, nicht nur mit der

Unachtsamkeit eines durch Geschmackwidrigkeit beleidigten Auges, nicht

nur mit der Wehmut, daß sie die Landschaft entheiligen, sondern mit der

schmerzerfüllten Ahnung, daß die Wurzeln unserer nationalen Größe morsch

sein müssen, wenn sie so wenig Grund im heimatlichen Boden fassen. Ich

schaue auf diese trostlosen (siehe Abb. 3: Stone Way in Newcastleon-Tyne,

 ein Bild, das sich in jeder englischen Industriestadt auf großen

Flächen zeigt) und unehrwürdigen Wohnungen als auf Merkmale einer

wachsenden Unzufriedenheit im Volk, als Zeichen einer Zeit, wo jeder

Mann eine höhere Sphäre als seine natürliche erstrebt und auf seine Vergangenheit

 mit steter Verachtung zurückblickt. Wo jedermann in der

Hoffnung baut, die gebauten Häuser zu verlassen, und in der Hoffnung lebt,

die darin verbrachten Jahre zu vergessen; wo man Trost, Frieden, Glauben

des Heims nicht länger empfindet. Die überfüllten Behausungen einer

mühselig ringenden und rastlosen Bevölkerung unterscheiden sich von den

Zelten des Arabers und des Zigeuners nur dadurch, daß sie heilsame

Himmelslüfte erfolgreicher absperren, die Wahl eines schöneren Erdflecks

nicht gestatten, die Freiheit rauben, ohne Rast zu gewähren und den Luxus

der Ortsveränderung verhindern."

Ruskin ist nur einer unter vielen, die das nämliche Thema im gleichen

Sinne behandeln. Daraus erhellt, mit welchen Schwierigkeiten, mit welcher

Unmenge völlig falscher, aber fest eingebürgerter und von keiner gesetzlichen

Seite angefochtener Voraussetzungen der Beginn einer in völlig entgegengesetzter

 Richtung sich entwickelnden Bewegung zu kämpfen hat, handelt

es sich doch dabei um das Eindämmen, das Zurückdrängen von Meinungen,

deren Bestand Dezennien hindurch als etwas Selbstverständliches galt,

zum Teil noch gilt. Daß eine Wendung überhaupt noch zu erwarten sei,

schien dem Verfasser obiger Worte offenbar so gut wie unmöglich. Für

die Regierung aber ist es nicht gerade ein Zeichen großer Weitsichtigkeit,
            
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