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Volltext: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Übersichtsband, 2. Abtheilung: Geschichtlicher Theil

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des besonderen Vertrauens des Herrschers gewürdigten Rüthen berathen wurden. Der 
geheime Rath bestand demnach aus den hervorragendsten Würdenträgern und andern 
Rüthen in nicht fest abgegrenzter Zahl und bildete als oberste Behörde des Landes das 
Organ, mit welchem Ferdinand Fragen der auswärtigen Politik wie Verwaltungs 
angelegenheiten berieth. Die Ausfertigung der Beschlüsse war Sache der allgemeinen Hof 
kanzlei, welche ihrerseits in mehrere Abtheilungen zerfiel und deren Vorsteher der oberste 
Kanzler war. Die Ferdinandeische Behördenverfassnng fand bei den nahen Berührungen 
der Fürsten mit dem kaiserlichen Hofe in einem großen Theile deutscher Reichsterritorien 
Nachahmung. 
Der geheime Rath, der Hofrath, die Hofkammer und die Hofkanzlei bildeten Central 
stellen für die alten österreichischen Erblande. Dagegen besaßen Ungarn und Böhmen ihre 
besonderen Verfassungen und waren mit den österreichischen Erblanden nur durch Personal 
union verknüpft. In Ungarn wie in Böhmen bestand die eigene Hofkanzlei und die eigene 
Kammer fort, wozu sich seit Ferdinand noch eine besondere Kammer zu Breslau für 
Schlesien gesellte, doch so, daß dieselbe in gewissen Dingen der böhmischen Kammer unter 
geordnet sein sollte. Überhaupt begünstigte Ferdinand die Zusammenfassung der Länder 
der böhmischen Krone zu einein festgeschlossenen Staatsgebiete. Das Institut der General 
landtage, von denen die ältere böhmische Geschichte nur schwache Anklüuge bietet, gelangte 
jetzt zu einer größeren Entwicklung. Die obersten böhmischen Ämter und Gerichte, wie 
zum Beispiel die böhmische Kanzlei, die Kammer und das 1548 errichtete Appellations 
gericht bekamen eine Wirksamkeit, die sich auf alle Länder der böhmischen Krone erstreckte, 
was vordem kaum bezüglich der Kanzlei der Fall war. 
Doch beschränkte sich die centralisirende Tendenz der Regierung Ferdinands nicht 
etwa blos auf die energischere Zusammenfassung der alten Erblande einerseits und der 
böhmischen Lande anderseits gegenüber dem dritten Ländercomplexe, jenem der ungarischen 
Krone. Wohl war Ferdinand bezüglich der Regierung Ungarns und Böhmens durch die 
Verfassung dieser Reiche beschränkt, aber aus der Vereinigung der drei Ländergruppen 
ergab sich alsbald ein Bereich gemeinsamer Interessen und Aufgaben, für deren 
Behandlungsweise das bisher geltende Recht keine Bestimmungen enthielt. Hier lag ein 
Spielraum vor, auf dem sich die ersten Ansätze einer einheitlichen Staatsform in höherem 
Sinne entwickeln konnten; hier war eine Lücke vorhanden, zu deren Ausfüllung sich eben 
jene Einrichtungen eigneten, die Ferdinand zunächst für seine österreichischen Erblande 
geschaffen hatte. So wurde für alle jene Dinge, welche die Ausarbeitung und Durchführung 
allgemein giltiger Regierungsmaximen heischten — für die Fragen auswärtiger Politik 
und kirchlicher Natur, vielfach auch für administrative und legislatorische Maßregeln — 
der geheime Rath mit der ihm beigegebenen allgemeinen Hofkanzlei zum Regulativ; aus
	        
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