MAK

Full text: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 11)

JJV 
einige signierte Fayencen zu Favorite gibt. Es haben eben die Höchster 
Modelleure und Maler in der Frühzeit dieser Fabrik gern nach den vortreff- 
lichen Straßburger Vorbildern gearbeitet, vielleicht sind auch die Höchster 
Maler R und G identisch mit den Straßburger Malern desselben Zeichens und 
wurden für die neue Fabrik gewonnen, ein überaus häufiger Vorgang in der 
Geschichte der Keramik des XVIII. Jahrhunderts. 
Den Blumenkorb als Fondmitte bei Straßburger Tellern, Schüsseln, 
Platten, Aufsätzen etc. veranschaulicht eine Platte mit energisch ge- 
schwungenem Rande des Straßburger Museums in Blaumalerei und der 
Marke 9 (Abbildung Seite 554). Blüten und stilisiertes Blattwerk füllen den 
Korb, der auf einer Basis 
von gut gezeichnetem und 
streng stilisiertem Akan- 
thusblattwerk ruht. Das 
Randmuster zeigt den 
bereits erwähnten, aus 
dem Rouen-Dekor weiter 
entwickelten naturalisti- 
schen Schmuck von aller- 
lei Blüten, großen Rosen, 
Glockenblumen etc. In 
vollkommenerAusbildung 
und auf der Höhe, be- 
reichert durch Tulpen, 
Birnen, Äpfel, Trauben 
etc., mit reichem natura- 
listischen, gleichfalls aus 
Blüten und Trauben ge- 
bildetem Mittelstück, ist 
dieser Dekor zu finden 
Ansbacher Fayenceplatte mit Blaumalerei (Germanisches Museum an einem großen Aufsatz 
Nürnberg) - des Karlsruher Kunst- 
gewerbemuseums (Abbildung Seite 555, Marke Nr. 8), der außer mit Blau 
auch mit den übrigen Scharffeuerfarben, die kräftig und leuchtend sind, 
bemalt ist. 
Dieselbe Qualität von brillantem Scharffeuerdekor besitzen zwei 
Fayencen des Münchner Nationalmuseums mit den Marken P. und FL (Nr. 8 
und 15). Und wenn wir nun diesen schönen und wirksamen naturalistischen 
Dekor wiederfinden auf der Reichenberger Terrine, die am angeführten 
Orte farbig reproduziert ist, so gewinnen wir zu allem Überfluß noch ein 
weiteres Argument für die unzweifelhaft sichere Provenienz aller dieser 
Fayencen aus den Malerstuben der Straßburger Manufaktur während der 
ersten Hälfte des XVllLjahrhunderts. Selbst in späterer Zeit hat man übrigens 
noch daselbst vereinzelt Blaumalereien geliefert. 

	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.