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Full text: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 11)

 
schöner Skulpturen, die auf Renaissance-Idealen beruhen, erfreute durch zwei 
Arbeiten. Die eine nannte er „Orpheus", die andere stellte eine Brunnen- 
gruppe dar. 
Viele der übrigen Skulpturen, die zum Schmuck von Gebäuden bestimmt 
sind, wirkten in dem verhältnismäßig kleinen Ausstellungsraum zu derb. Sie 
werden aber am richtigen Platz wohl die gewünschte Wirkung erreichen. 
Mit ausgezeichneten Werken war die Kleinkunst vertreten. Die hervor- 
ragendsten Arbeiten brachte F. G. R. Roth. Dieser stark talentierte Tier- 
bildhauer hat nun, wie seine Gruppen in der Aus- 
stellung zeigten, mit Erfolg das Gebiet der Keramik 
aufgesucht. Früher arbeitete er fast ausschließlich 
in Bronze. Roth ist auch ein tüchtiger Porträt- 
künstler. Zum erstenmal kam der Preis zur Ver- 
teilung, den Frau Helene Foster Barnett für die 
beste Skulptur eines Künstlers unter 30 jahren 
gestiftet hat. Die Auszeichnung wurde Robert 
J. Aitken für eine mythologische Gruppe verliehen. 
In der Gemäldegalerie der Ausstellung ward 
der Carnegie-Preis, der für das beste Bild bestimmt 
ist, Henry Brown Fuller zuteil. Er bekam den Preis 
für sein dekorativ gehaltenes, konventionelles 
Gemälde „Triumph der Wahrheit über den Irr- 
tum", zwei Frauengestalten. 
Den Proctor-Preis, der für das beste Porträt 
der Ausstellung gegeben wird, erhielt Charles Noel 
Flagg. Das Gemälde beweist viel Charakterisie- 
rungstalent. Unbegreiflich ist aber die Verleihung 
der Isidor Memorialmedaille an Wm. S. Kendall 
für sein Bild „UnfugW Es ist in der Idee un- 
bedeutend und banal in der Ausführung. Man be- 
kommt ein etwa zwölfjähriges nacktes Mädchen 
_ V zu sehen, das mit verschmitztem Lächeln auf 
F'G'R'Ro"h' lzjrjmmpfi" Stein" einem Sopha kauert und die rechte Fußsohle 
kitzelt. Es wäre ein trauriges Armutszeugnis für 
die amerikanische Kunst, wenn dieses Bild als die beste Hgurale Komposition, 
für die der Preis gestiftet wurde, gelten müßte. Glücklicherweise waren denn 
doch noch bessere Figurenbilder in der Ausstellung. Immerhin ist heute noch 
im allgemeinen der amerikanische Landschafter dem Figurenmaler überlegen. 
Doch machen sich jetzt einige jüngere Künstler bemerkbar, die nicht nur das 
iigurale Fach zu meistern beginnen, sondern auch neue Motive einführen. 
Soweit das neue Motiv in Betracht kommt, ist zunächst Jerome Myers 
zu nennen. Dieser Künstler sucht sich auf der untern Ostseite Newyorks, einem 
armen übervölkerten Bezirk, in dem die Angehörigen sehr verschiedener 
Nationalitäten wohnen, seine Sujets. Er hatte in der Ausstellung der Academy
	        

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