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MAK

Full text : Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 11)

gewiß noch ganz andere Freiheiten genommen und namentlich die Farbe in das Bereich

seines Karikierungstriebes einbezogen. Wie er ist, kommt er noch immer von Spitzweg und

Ludwig Richter her; freilich ist er die Befreiung von ihnen.

KLEINE NACHRICHTEN 

ERLINER CHRONIK. Die Sonderausstellungen unseres Kunstgewerbemuseums

sorgen dafür, daß man über die Geschmacksentwicklung in den handwerklichen Betrieben

 unterrichtet wird und daß man so aus dem engeren artistischen Inzuchtkreis einen

Blick ins Weitere, Allgemeine des Marktbetriebes tun kann. Eine interessante Juniorenprüfung

 konnte man bei der Schau der Nürnberger Meisterarbeiten aus den Riemerschmiedschen

 und Behrensschen Kursen halten und nach dieser Revue ließen sich die

neueren Bestrebungen der Goldschmiedgilde an den Resultaten eines Preisausschreibens

beobachten.

Das Preisausschreiben war erlassen von der Deutschen Goldschmiedzeitung und

durch seine Forderungen und Bedingungen zeugte es von gutem sachlich erkenntnisvollen

Geist.

Es handelte sich bei dieser Konkurrenz nicht um pomphafte Schmucksachen, sondern

um ein handwerksgerechtes Stück Edelschmiedearbeit. Aus Material und Technik sollte

Geschmacks- und Schönheitswert herausgeholt werden. Die Metallkunst sollte dominieren,

nicht das Juwelierfeuerwerk, und ausgeschlossen blieb alles Plastische, Bildhauermäßige,

so daß es auf die rein konstruktiv gewonnenen Ornamente ankam.

Das sind sehr pädagogische Gesichtspunkte, die sicher und konsequent eine Richtschnur

 für das Wesentliche, auf das es ankommt, geben und die alles Schillernde und Schiefe

ausschließen. Große Phantasieanregung liefern sie natürlich nicht, aber viel wichtiger als sie

ist eine solche planmäßige Disziplinierung des Arbeitswillens und solch strenge Abwehr

des Zuchtlosen.

Das trug auch recht brauchbare Früchte. In der Behandlung der Halbedelsteine und

Barockperlen beweist sich sicherer Takt. Sie werden nicht wie Juwelen zu Höhepunkten,

denen die Fassung zu dienen hat. Hier ist vielmehr immer die Schmiedekomposition die

Hauptsache und die farbigen Steine und Perlenbehänge werden nur als belichtende Akzente,

als betonende Ornamente der Konstruktionsteile des Baugefüges verwendet. Sie bringen

als Points Gliederung in Kettenreihen, sie sind Rosetten, an die sich girlandenartig die

Anhängerketten anknüpfen; sie wirken als Zentrum oder als Illuminationskranz auf Platten

und Rundschilden und die Perlkügelchen und unregelmäßig knalligen Bommeln übernehmen

 ganz naturgemäß dabei die Funktion von Schmuckposamenten, von schwebenden,

schwingenden Troddeln.

Das Material wird meist rnit zuverlässiger Arterkenntnis und in gutem Abwägen

von Kraft und Stoff behandelt.

Die Form wird aus der Technik, aus der handwerklichen Behandlung des Materials

entwickelt, aus dem Hämmern und Punzieren der Flächen, aus dem Ziehen, Biegen, Verschleifen

 und Flechten des Golddrahtes, aus dem Aussägen zierlicher Filigranverästungsmuster.



Merkwürdigerweise waren gerade die preisgekrönten Entwürfe wenig einwandfrei.

Der erste Preisschmuck schien zu schwerfällig, der zweite mehr malerisch als konstruktiv

und der dritte zeigte einen billigen Kleinen-Leute-Geschmack.

Viel Gutes aber fand sich unter den nur mit einem ehrenvollen Lob bedachten Stücken.

Und große Anerkennung verdienen da vor allem die Arbeiten einer Karlsruherin, johanna

Frentzen. In einem Halsband aus Kettenreihen sind zum Beispiel als Zwischenglieder Ovalrahmen

 mit Silberrankenwerk verwendet und die Blüten dieser Ranken sind blaßrosa
            
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