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MAK

Full text : Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 11)

In den Bildnissen junger Komtessen liegt eine adlige Anmut, eine unbeschreibliche

Mischung von Distinktion und jugendblüte. Manch Antlitz von Frauen am Klavier oder

in der Reverie einer Kaminecke am Fauteuil oder in der neigungsvollen Haltung zu einem

heiter-ernsthaften Kinderkopf, ist so seelisch erfüllt, von einer so transparent gemachten

Innerlichkeit, daß Maeterlincks Wort von der beaute interieure hier wahr wird. Und dann

die Freiluftbilder auf blumenbestickter Wiese, im Gras am Busch, unter iiimmerndem

Astgezweig, am Blütenbaum, auf der weißen Bootsbrücke unserer märkischen Seen, da

schwingt die farbige Erscheinung in der Atmosphäre. Das ist nicht auf die dankbare

dekorative Wirkung allein gemacht, das ist vielmehr immer voll sinnvoller Einstimmung.

Menschliches und landschaftliches Klima ergänzt sich um eine Wesenscharakteristik voll

auszusprechen. Bei einer blonden Frau, die im Korbstuhl am Wasser vor einer duftigen

Ferne sitzt, kommt durch diese Komposition etwas von dem eigentümlich schwedischen

Element dieser Frau heraus.

So ist es auch mit den Innenräumen und Requisiten. Sie werden nicht als billige

Stilleben-Inszenierungen um den Menschen aufgebaut. Der Mensch bleibt stets die Hauptsache,

 die Begleitmotive werden in strengster sparsamster Auslese, mit der Delikatesse

japanischer Raumregie, verwendet: eine leistengeteilte Wand mit einer Blumenschale

davor, ein Paravent, eine sprossengeteilte Tür. Meist aber neutrale Hintergründe, die

nicht in geschwätziger Rebusbilderschrift Auskunft über den Menschen geben, sondern

durch seinen farbigen Abglanz ihre Belebung empfangen.

Das ist eine sehr reine, in sich beruhende und frei von aller schillernden Zwitterhaftigkeit

 bewahrte Kunst. Sie hält sich fern von dem, was freilich in den Anfangen der

jungen photographischen Bewegung lockend schien, durch Virtuositäten die Illusion der

Radierungen und Stiche zu erreichen oder vage malerische Stimmungssuggestion im Nebelschleier

 der Boys of Glasgow zu erstreben, gerade dies galt ehedem viel.

Perscheid aber entwickelt alle Möglichkeiten aus der Bedingung seiner Technik. Das

Hauptmittel seiner Handschrift ist das Licht. Das hat er mit den stärksten Künsten zu

höchster Leistung sich dienstbar gemacht. Durch jene zu gesteigerter Empfänglichkeit

präparierten Platten und durch ein sinnreich konstruiertes bewegliches Objektiv, mit dem

die Lichtwirkung vollkommen ausgenutzt werden kann. So, und natürlich durch die vollendetsten

 Linsen, wird eine nuancenreiche Wiedergabe aller Tonwerte erzielt. Und vor

allem werden dadurch die Augen in ihrem optischen Spiel so getreu und ausdrucksklar

reHektiert. Und noch ein ingeniöses Hilfsmittel stellt sich ein: die Perscheidsche Rückenstütze.

 Sie gibt - - welch eine Wandlung von der Kopfklammer der alten Folter-Camemlisten

 zu diesem Komfortstativ - der stehenden Figur zwanglos leichten Halt und

Sicherung. Und dies mechanische Instrument hat eine durchaus psychologische Folge.

Der Körper wird von seiner Erdenschwere, von der angespannten Konzentration, seine

Glieder zu sammeln, die Knochen zusammenzureißen und stramm zu stehen, befreit. Er

bekommt das Spielende, Gelöste, Unwillkürliche der Bewegung. Davon profitiert das

Gesicht. Es wird erlöst von dem gespannt-zwanghaften Ausdruck, von der Befangenheit

der exponierten Haltung; es wird frei für den Wesensausdruck, für seine eigentliche

Physiognomie.

Den fruchtbarsten Moment, den höchsten Augenblick, da man sich am „ähnlichsten"

ist, zu erfassen und festzuhalten, dafür muß freilich zu all dem Technischen die hohe

menschliche Erkenntnisfähigkeit hinzukommen. Diesen eigensten Besitz hat Perscheid und

dadurch haben seine photographischen Bildnisse den schöpferischen Hauch.

Felix Poppenberg

DER FARBENJAMMER DER MALER ist bis jetzt noch keineswegs beseitigt.

 Das endlose Bedauern des angeblichen Verlustes vorzüglicher Materialien,

wie sie den alten Malern zur Verfügung standen, ist allgemein bekannt; auch die ebenso
            
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