mit einer Rille höchst reizender und eleganter Glasformen, insbesondere
Hir Trinkgetässe, versehen, die der Nachahmung würdig sind und gewiss
auch zur Regeneration dieses Kunstzweiges beitragen werden, aber ihr
Reichthum ist bei alledem aus einem besonderen Grunde nicht genügend.
Alle diese venetianischen Getiisse nämlich bestehen ans einem feinen dünnen
Glase, dessen Zartheit und Zierlichkeit ihren Hauptreiz und Hanptwerth
bildet. Als Schmuck- und Ziergefasse und überhaupt für den feineren Geschmack
sind sie darum wohl in ausgezeichneter Weise verwendbar und
lassen sich auch auf blos geblasene Gläser für den gewöhnlichen Gebrauch
leicht übertragen, aber wir lieben heute daneben, und mit vollem Rechte,
das farbige Lichterspiel des geschlitienen Krysmllglases, welches Flächen
und Kanten bildet, und dafür hat die venetianische Kunst keine Beispiele
hinterlassen.
Vergebens betragen wir auch hierfür die griechische Gefasskunst, deren
Formen auf die dickere, undurchsichtige Thonmasse berechnet sind und
deren specielle Trinkgetiisse schon aus anderen Gründen für den modernen
Gebrauch unpassend sind, zumal ja auch sie keine ebenen Flächen darbieten.
Noch weniger kann uns die Goldschmiedekunst irgend einer Zeit
bieten, da die Gefasse, welche sie etwa denen der Glasfabrication nach
dem Zwecke analog schuf, auf ein ganz anderes Kunstpxincip ihre ästhetische
Wirkung begründen. Man kann uns endlich auf die geschliffenen
Krystallglasgefasse des vorigen Jahrhunderts verweisen, und wir müssen
zugestehen, dass sie immer noch den heutigen Arbeiten vorzuziehen sind,
aber sie haben schon aus einer anderen Quelle geschöpli und sind versteiR
in ihren Formen, so dass sie unserem heutigen wiedererwachten ästhetischen
Bedilrfniss wenigstens nicht mehr genügend sind.
Doch wir haben eine andere sehr vorzügliche und naheliegende Quelle,
die wirklichen Krystallgefasse selber, aber leider Hiesst diese Quelle äusserst
spärlich und ist nur in seltenen Fällen dem Fabrikanten zugänglich. Da,
grosse Stücke dieses Minerals, welche Für Geiässe ausreichend wären, keineswegs
häutig und heute so gut wie gar nicht aufgefunden werden, so liegt
es in der Natur der Sache, dass Krystallgefasse sehr selten sind und ausserordentlich
theuer bezahlt werden, umsomehr, als sich die Liebhaberei unserer
Tage wieder in erhöhtem Masse darauf geworfen hat. Dazu kommt,
dass die besten davon sich meist in ererbtem fürstlichen Besitze befinden
und in den Schatzkammern höchstens dem Anblick weniger Touristen zugänglich
sind.
Das ist umsomehr zu bedauern, als gerade die europäischen Krystallgetässe
durchweg von grosser Schönheit zu sein pflegen. Denn obwohl
sie das ganze Mittelalter hindurch beliebt waren und namentlich schon in
früher Zeit der Orient dergleichen nach Europa hereinsandte, wuchs doch
das Wohlgefallen an ihnen erst recht mit der Blüthezeit der Goldschmiedekunst
am Ende des 15. und das ganze 16. Jahrhundert hindurch, während
es später gleichzeitig mit dem Verfalle eines edleren Stils wegen der ausl
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