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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1865 / 1)

Gyps oder Schwefel, herzustellen. Bei Statuen aus Stein ist der Eindruck 
eines gelungenen Abgusses noch immerhin ein bedeutender zu nennen, da 
eben das Materiale des Gypses der Natur des Gegenstandes bei Form und 
Abguss ein so zu sagen verwandtes ist. Werke aus Metall jedoch, welche 
des Glanzes und der verschiedenen Farbe, welche die Metalle kennzeich- 
net, bedürfen, können auch im besten Gypsguss nur unvollkommen wieder- 
gegeben werden, da demselben eben jede derartige Eigenschaft mangelt 
und Aushilfsmittel, wie Bemalung oder Bronzirung, meistens nur sehr wenig 
befriedigende Fabricate erzeugen. 
Es ist also bis vor wenigen Jahrzehenten kein Mittel bekannt ge- 
wesen, um gelungene, den Kenner befriedigende und das Original in allen 
Details wiedergebende Reproductionen herzustellen. 
In vollkommenster Weise jedoch, jede Nuance des Gegenstandes be- 
rücksichtigend, ist dieses durch die Anwendung der Galvanoplastik ermög- 
licht, welche sich auch des besten Formmittels, der Guttapercha, bedient. 
Erst seit wenigen Decennien geübt, hat sich diese schöne Erfindung 
derart vervollkommnet, dass sie in der Industrie bereits vielfach verwendet, 
nun auch dem Kunsthandwerk dienstbar gemacht wurde. Durch ihre, in 
keiner Weise anders zu erreichende Präcision, ist sie gerade tiir die in 
Rede stehenden Zwecke der Reproduction von llrietallkunstwerken (abge- 
sehen von ihrer Verwendung zur billigen Herstellung neuer Kunstdenk- 
male) geeignet, das wirklich tadellos Vollkommenste zu erreichen. 
Gerade die Wiedergabe der Eigenthümlichkeiten des Originals, die 
genauen Dimensionen der Form, die Schärfe der Ciselirung, die Farbe und 
den Glanz des Metalls in identischer Materie, auf anderem Wege unerreicb- . 
bar, gibt hier bei so zu sagen photographischer Treue der Galvanoplastik als 
Reproductionsmittel den ersten Platz. 
Nicht zu übersehen ist endlich die grosse Dauerhaftigkeit einer sol- 
chen metallenen Nachbildung im Vergleiche der zerbrechlichen, leicht be- 
schädigten Gyps- oder Schwefelgüsse. 
Die vielfache Anwendung der Galvanoplastik für die Buchdruckerei 
und Kupferstichkunst, um nämlich Stercotypplattcn und vollständige neue 
Kupferstichplatten zur Schonung einer kostbaren Originalplatte zu erzeugen, 
ist in Oesterreich durch die vorzüglichen Leistungen der Staatsdruckerei 
in diesem Felde bekannt. Nur für die oben angedeuteten Zwecke, der 
Rcproduction von Kunstwerken, wurde bei uns bis jetzt wenig gethan. In 
England hat Elkington, dessen Genie die Galvanoplastik überhaupt 
mehrere bedeutende Entdeckungen und Verbesserungen verdankt, von den 
Kunstwerken des South-Kensington-hluseums eine bedeutende Anzahl in 
Galvanoplastik reproducixt. 
Vielfach steht bei uns der Anwendung und Verbreitung dieser Kunst 
in artistischer Richtimg der offen gestandene, etwas begrenzte Gesichtskrcis 
vieler unserer Liebhaber entgegen, welche bei Kunstwerken die Rarität des 
einzelnen Stückes und das kostbare Material zu schwer in die Wagschale
	        

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