Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 16)

266

und Museen, und schon die nächste Ausstellung zeigte die Früchte ihres

Strebens. Frankreich und noch mehr Belgien besitzen Anstalten zur

Ausbildung der Gewerbetreibenden fast in jeder, selbst der kleinsten Stadt.

Deutschland ist in dieser Beziehung sehr zurückgeblieben. Nur Oesterreich

hat einen, allerdings grossartigen, Anfang gemacht mit seinem "Gester-"i-eichischen

 Museum für Kunst und Industrie", Würternberg und Baden

besitzen ausgezeichnete technologische Sammlungen, und Bayern hat in der

Kunst- und Gewerbeschule zu Njirnberg eine Anstalt ersten Ranges.

Norddeutschland, der eigentliche Sitz des deutschen Gewerbtleisses,

 entbehrt einer ähnlichen Anstalt ganz. Zwar besitzen wir Üniversitäten

 und AkademieemKunstschulen und polytechniscbe Lehranstalten;

für die künstlerische und technische Ausbildung derer jedoch, welche aus

der Volksschule unmittelbar in's gewerbliche Leben übergeben, ist so gut

wie nichts geschehen. Berlin mit seinem entwickelten Handel und seinen

blühenden Fabriken hat die Pflicht, diesem Mangel abzuhelfen. Dieser

Pflicht soll das neue Unternehmen genügen, welches wir unter dem Namen:

„Deutsches Kunst- und Gewerbe-Museum zu Berlin"

zu gründen beabsichtigen.

Das Institut wird kein locales, nicht lediglich für die Hauptstadt

berechnet sein, es soll vielmehr ein Centralpunkt werden, der dem Wissensdrang

 der Arbeiter und den Bestrebungen der Gewerbetreibenden in

ganz Deutschland Genüge thnt. Nicht einseitig die künstlerische oder

die technisch-wissenschaftliche Ausbildung, sondern beide gleiehmässig

sollen in der neuen Anstalt gepflegt werden. Erst die Entwicklung aller

Kräfte kann ein Volk befähigen, in dem Wettstreit Aller auf dem Weltinarkte

 seinen Platz zu behaupten. Dieses Ziel zu erreichen bedarf es

einer künstlerischen und technischen Sammlung von Mustern und Modellen,

 und einer an diese sich anschliessenden Lehranstalt. Man sage_

nicht, dass wir Museen genug besitzen. Freilich sind unsere Sammlungen

reich an Knnstschätzen aller Art, aber die Verwerthung derselben für

Hebung des Gewerbes ist nur in einer Anstalt möglich. die eigens zu

diesem Zweck eingerichtet ist, wo wenige, aber vorzügliche Stücke einer

jeden Gattung von allen Seiten am Tage wie am Abend zugänglich, zu

genauem Studium und zur Copiruug bereit sind. Eine gute, allgemein

zugängliche technologische Sammlung nach Art der Stuttgarter entbehren

wir überdies ganz.

Die Beschaltung der Sammlungen kann erfolgen:

a) durch Ankauf oder Schenkung,

b) durch Entleihnng von den Besitzern,

c) durch Ausstellung von Seiten der Industriellen.

Das Leihsystem, welches in England und Oesterreich zu den

glänzendsten Resultaten geführt hat, wird auch bei uns nicht verfehlen,

dem Museum werthvulle Gegenstände in grosser Zahl zur Ausstellung
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.