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Full text : Jahresbericht (1867)

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Ueher das Projcct selbst, welches von dem (hlrator Herrn Prof. Ferstel verfasst

worden ist, cnthiilt die Nr. 29 der „Mittheilungen des Museums" eine ausführliche, mit

Illustrationen der Raumvertheilung im Erdgeschosse und ersten Stockwerke versehene Beschreibung.



XIII.

Errichtung einer Kunstgewcrbeschule.

Die dem Museum bei seiner Errichtung gestellten Aufgaben: den Bedürfnissen der

Kunstindustrie durch Vorführung mustergiltiger Objecte zu begegnen, so wie den Erzeugnissen

 moderner Kunstindustrie die Gelegenheit zu bieten, sich durch würdige Aufstellung

geltend zu machen, glaubt dieses Institut in der Zeit seines bisherigen Bestandes nach

Möglichkeit gelöst und der heimischen Kunstindustrie Impulse gegeben zu haben, welche

nicht. ohne Nachwirkung auf die Erfolge geblieben sind, deren sich einzelne kunstindustrielle

 Zweige und zwar gerade jene, welche dem Eiutiusse des Museums nahe standen,

auf der vorjährigen Pariser Weltausstellung errungen haben.

Allein eben so hatte sich schon nach Verlauf kurzer Zeit die Betrachtung aufgedriingt,

 dass, um die Erfolge des Museums in weiteren Kreisen zur Geltung zu bringen

und sie dauernd zu sichern, die Errichtung einer eigenen Kunstgewerbeschule nothwendig

sei, welche die Aufgabe hiitte, für die Bedürfnisse der Kunstindustrie auf Grund jener

Prinvipien, welche für die Wirksamkeit des Museums massgebend geworden sind und mit

Benutzung der reichen Hilfsmittel, welche diesem Institute zur Veriiigung stehen, tüchtige

und selbständige Kräfte heranzubilden, welche durch die errungene Vorstufe künstlerischen

Könnens in der Lage wliren, die heimische Kunstindustris unabhängig von fremdem Einiiusse

 zu stellen und einer eigenthümlichen Entwicklung entgegen zu führen. Wie bekannt,

hatte sich der Wunsch nach Errichtung dieser Kuustgewerbeschule in allen Kreisen,

welchen ein lebendiges Interesse für die gedeihliche Entwicklung unserer heimischen Industrie

 innewohnt, geltend gemacht. Nicht nur der hohe Protectcr des Museums, der

durchlauchtigste Herr Erzherzog Rainer und die Direction dieses Institutes,

auch das Handelsministerium, der n. ö. Landtag, die n. ö. Handels- und Gewerbekammer,

 der Verein der österreichischen Industriellen, die Brünner

Handels- und Gewerbekammer und der mührische Gewerbeverein haben

übereinstimmend die Nothwendigkeit der Errichtung dieser Schule anerkannt und für das

baldige Inslebentreten derselben überzeugende Gründe geltend gemacht. Das bestandene

Stuatsministerium fand sich unter diesen Umständen veranlasst, fir Begründung dieser

Schule die einleitenden Schritte zu thun und erliess demnach an die Direction des Museums

die Autiordernng, ihre diesfalligen motivirten Anträge vorzulegen. Die Direction kmn

diesem Verlangen durch Vorlage eines umfangreichen Promemorias unter dem 3. März 1866

nach, worin neuerlich die Nothwendigkcit der Errichtung einer Kunstgewerbeschnle durch

Darstellung dessen, was in dieser Richtung für die Hebung der Kunstgewerbe in Frankreich,

 England und Belgien in jüngster Zeit geschehen, betont, und zugleich jene leitenden

Gesichtspunkte aufgestellt wurden, welche nach ihrer Ansicht bei Begründung einer Kunstewerbeschule

 festzuhalten wären. Diese Vorlage wurde noch im März ISIIG an den bestandenen

 Unterrichtsrath geleitet, welcher zur Berathung dieses Gegenstandes eine Combination

 der beiden Sectionen für technische Anstalten und Kunstakademien eintreten liess;

die Berathungen erlitten aber leider durch die zeitweise Abwesenheit mehrerer Mitglieder

unliebsame Störungen, so dass das Gutachten desselben erst nach Jahresfrist und

zwar erst im Monate Juli 1867 dem inzwischen reactivirten Ministerium für Cultus und

Unterricht mitgetheilt werden konnte. Auch der Untenichtsrath betrachtete die Gründung

einer Knnstgewerheschule als eine für die Industrie Oesterreichs hocbwichtige Angelegenheit

 nnd widerlegte jene Anschauungen, welche in dieser Richtung dagegen sich geltend

machen könnten. Der Unterrichtsrath beschränkte sich jedoch nicht auf eine blosse Würdigung

 allgemeiner Grundsätze, sondern hatte auf Grundlage der in seinen Berathungen

richtig gestellten Principfragen einen Statutenentwnrf fur diese Schule ausgearbeitet.

Das Unterrichtsministerium hat dieses Statut einer neuern commissionellen Berathung

 unterziehen lassen, welche unter dem Vorsitze des Ministerialrathes Dr. Gnstav

Pleider und unter Theilnahme des Directors des Museums. des ersten Custos desselben

und des Akademie-Professors Engerth erfolgte und zur Abfassung eines neuen Statutes

führte, .weleh' letzteres vom Ministerium St. Majestät unterbreitet wurde. Unter dem

24. September 1867 erfolgte nun von Seite des Unterrichtsministeriums die für das Museum

 und sein weiteres Gedeihen so hochwichtige und hocherfreuliche Eröffnung,

dass Se. Majestät mit a. h. Erlasse vom 21. September 1867 die Gründung einer

Kunstgewerbeschnle auf Grundlage des vom Ministerium vorgelegten

Stat u te s allergniidigst zu genehmigen gernht haben.
            
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