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MAK

Full text : Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 12)

O22

Zeichnung und plastische Wirkung mit den schönsten venezianischen

Barockspitzen in Wettbewerb treten kann. Wir wissen zwar, daß man heute

im allgemeinen die plastische Wirkung bei Textilerzeugnissen für keinen

Vorzug hält; wir müssen aber alte Kunstwerke aus ihrer Zeit beurteilen

und nicht nach heute geltenden Anschauungen. jedenfalls wird kein unbefangen

 Urteilender sich dem Reize des Stückes verschließen können. Die

Technik hat, wie angedeutet, mit der des zuletzt beschriebenen Stückes

Ähnlichkeit, weicht aber von ihr auch ab. Hier ist nämlich die das Muster bildende

 Leinwand nicht ausgeschnitten, sondern der zwischenliegende Leinen-Kleidereinsatz,

 gobelinanig in Wolle mit Leinenkene, Grund braun, Ornament weiß, schwarz und grün. Aus

einem spätantik-ägyptischen Grabe, Originallänge 47 Zentimeter

grund mit (violettroter) Seide ausgefüllt und tritt dadurch zurück; in der Mitte

kommt noch Goldstickerei bescheiden zur Anwendung. Die Technik unseres

Stückes Findet sich wohl auch sonst, aber selten in einem in jeder Beziehung

so vollendeten Beispiele. Für manche Zwecke lassen sich aus diesem Stücke

übrigens sicher auch für unsere Zeit nützliche Anregungen ziehen. Nebenbei

bemerkt, hat das Münchner Nationalmuseum ein Hauptstück des Ornats,

von dem diese Kelchdecke einen Teil bildet, erstanden.

Schon oben ist darauf hingewiesen wbrden, wie selten sich ursprünglich

enger mit den Kostümen verwachsene Stickereien erhalten haben; es war daher

erfreulich, einen reich gestickten Einsatz zu erlangen, wie erbei Morgenkleidern

der Damen in der späten Barock- und in der Rokokozeit vom Halse bis zu

den Füßen zu reichen pflegte. Der Streifen ist in reicher Batiststickerei

ausgeführt, in der Art des sogenannten point de Saxe; besonders auffällig ist
            
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