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Full text: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 6 und 7)

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lediglich ihrer Vermischung mit der Tafelkachel zu verdanken. Die Tafel- 
kachel ist auf die mittelalterliche vierseitige, mit einer Figuralen oder orna- 
mentalen Darstellung gezierte Fliese zurückzuführen. Sie hält sich in der 
ersten Zeit streng an die regelmäßig quadratische Form; war jedoch, da die 
Möglichkeit einer Abnutzung nicht vorlag, an die eingeschnittene Ver- 
zierungsweise oder das flache Relief nicht gebunden, sondern konnte 
das Bildwerk höher gestalten. In dieser Hinsicht steht die erste Tafelkachel 
des Stubenofens in unmittelbarer Nähe der Wandfliese. Nach dem Vor- 
stehenden gehen Entwicklung der Topfkachel mit ihrer Variante, der Nischen- 
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Abb. 80. Grüne Kachel mit auf einem Fabelvier reitendem Waldschrat. Österreichische Alpenländer, XVJahr- 
hundert. Höhe 014 Meter 
kachel, und Entwicklung der Tafelkachel in Deutschland gleichzeitig vor sich. 
Auf Priorität hat keine Grundform Anspruch, da die Kenntnis der Herstellung 
von Gefäßen nicht um vieles älter ist als die von Ziegeln zum Bau mensch- 
licher Wohnungen. An den reichen Beständen der Sammlung Figdor haben 
wir Gelegenheit, den Entwicklungsgang vom Mittelalter an ohne große Lücke 
zu verfolgen. 
An die F liesenkeramik erinnern die ältesten vorhandenen Tafelkacheln. 
Das Material ist fein geschlemmter Ton mit rötlicher Brandfarbe. Um das 
lästige und schwierige Reinigen der rauhen Oberfläche zu vermeiden, 
erhielt diese vermutlich schon im XIV. jahrhundert einen Überzug mit 
Graphit. In späterer Folge wurde bei der Erzeugung darauf Rücksicht
	        

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