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Full text: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 6 und 7)

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typischen Darstellungen. Ein 
zottiges Männchen, der 
Waldschrat oder das Wilde- 
holz-Schrätlein des Tiroler 
und Salzburger Volksglau- 
bens hält zwei Wappen- 
schilde hoch (Abb. 90). Die 
Wappen weisen auf eine 
Allianz der Familie Rosen- 
berg hin, der reichen Ge- 
werken bei Zell im Salz- 
burgischen. Die nächste 
Kachel zeigt eine rübenartige 
Pflanze, Alraunwurzel, "aus 
deren Kelch ein Moosmänn- 
chen mit schmerzhaftem 
Ausdruck im Gesicht steigt 
(Abb. 9x). Dieser Vorwurf 
hängt mit dem Aberglauben 
unserer Gebirgsbevölkerung, 
besonders der Wurzelgräber, 
zusammen. Falls diese die 
WurzelbeimAusgrabenver- 
letzen, erscheint ein kleines 
behaartes Männchen unter Abb. 99. Gegiebelxe grüne Nischenkachel mit Halbtigur der Ma- 
__ _ donna. Böhmen, Xlhjahrhundert. Höhe 0-31 Meter 
klaglichem Jammern, und 
dieses Wehklagen mache den Wurzelgräber erstarren. Eine nahezu quadra- 
tische Kachel bringt einen dahinschreitenden Krüppel mit zu kurzen, ver- 
stümmelten Armen (Abb. 92). Solche Mißgestalten, unsere heutigen Kretins, 
galten im Mittelalter als von den Hexen ausgewechselte Menschenkinder. 
Im Schacht begegneten sie den Halleiner Bergleuten als unheilbringende, 
böswillige Geister im Gegensatz zu den Untersbergermännchen, die bei der 
Arbeit mithalfen und vor eintretender Gefahr warnten. Weitere Kacheln 
zeigen den Propheten Maleachi mit dem Namensband in den Händen (Abb. 
93) und Phyllis, wie sie auf dem Rücken des Aristoteles reitet und den 
alten Gelehrten mit einer Rute antreibt (Abb. 94). Diese Szene, welche die 
Macht des Weibes über jeden Mann, auch den gelehrtesten, erläutert, 
wurde im XV. Jahrhundert von zahlreichen Kupferstechem, so von Schon- 
gauer, vom Meister BR mit dem Anker und vom Meister des I-Iausbuchs 
dargestellt. Aber auf keine dieser Vorlagen ist unsere Kachel zurück- 
zuführen. Sie gewinnt noch erhöhtes Interesse durch die im Hintergrund 
sichtbare Wandverkleidung, ein Stoff- oder Fliesenmuster aus rauten- 
förmigen, mit einem Phönix geschmückten Feldern. Eine gegiebelte Nischen- 
kachel mit der Figur eines wie aus einem Fenster herauslugenden Mannes
	        
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