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Full text: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 6 und 7)

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land im Gegensatz zu dem der österreichischen Alpenländer religiöse Motive 
auszuschalten suchte, teils aus eigener Aversion gegen den katholischen 
Glauben, teils um seine Ware auch für den reformatorisch gesinnten Teil 
der Bevölkerung käuflich zu machen Auf den Handwerker hatte hinsichtlich 
der Auswahl seiner Vorwürfe der jeweilig dominierende Glaube großen 
Einfluß, und wir werden solche Beziehungen auch für Österreich, wo die 
Reformation nach 1520 an Boden gewann, vorfinden. Derselben unbekannten 
Werkstätte, aus welcher die Kachel mit der Figur der Barbara hervorge- 
gangen ist, wird auch die Gesimskachel (Abb. 125) angehören. In gleicher 
Weise sind hier die Figuren frei modelliert, also ein für die Herstellung eines 
ganzen Ofens ziemlich umständliches Verfahren. Zwei raufende Jünglinge 
sind dargestellt; der eine 
mit blondem, der andre 
mit schwarzem Locken- 
haar. Die Tracht der bei- 
den I-Iafnergesellen _ denn 
hier handelt es sich wohl 
um die scherzhafte Wieder- 
gabe eines Streites in der 
Werkstätte - verlegt die 
Kachel in das erste Jahr- 
zehnt des XVI. Jahrhun- 
derts. Die Farben sind bei 
dieser und der Barbara- 
Kachel unrein, die Glasur 
mangelhaft; offenbar hat 
sich der Verfertiger nicht 
bloß in der Modellierung 
von Figuren, sondern auch 
in der Zubereitung neuer 
Glasuren versucht. Von 
solchen Gesichtspunkten 
aus betrachtet, sind der- 
artige Stücke neben ihrer 
Seltenheit auch in tech- 
nischer Hinsicht von 
großem Interesse. 
Dieser künstlerische 
Stillstand des Handwerks 
war nicht von langer Dauer. 
Der Einfluß Nürnbergs, 
welches sich inzwischen 
an die Spitze deutscher 
Abb. x23. Bunte Kachel mit Figur der heiligen Barbara. Österreichi- _ 
sehe Alpenländer, nach 1500. Höhe 0'295 Meter Kunstkeramlk gestellt hatte,
	        
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