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Full text: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 1)

 
gute wienerische Qualität. Das sind 
zwei Vitrinen voll Gewissen. Und das 
ist das Wesentliche, weil Vorbildliche, 
Schulemachende. Die Wiener Werk- 
stätte ist die Lehrwerkstätte als Er- 
ziehungsanstalt. Ihr Hauptprodukt ist 
das richtige Empfinden der Arbeiter. 
Man sieht da mit Bedacht ganz ver- 
schiedene Sachen zusammengestellt, 
von dem prächtigen Goldkästchen Ko- 
loman Mosers mit den stilisierten, ganz 
zum zierlichen Flächenomament ge- 
wordenen Weiblichkeiten, bis zu den 
bürgerlich eleganten Karlsbader Ein- 
fällen Josef Hoffmanns, deraus dortigem 
Sprudelstein Kassetten von neuem, 
sozusagen unvermutetem Kaufwert 
gezimmert hat. Da ist die unaufdring- 
liche Apartheit einer Kakesdose von 
Witzmann, wo sich Elfenbein mit Sil- 
""33313133f1';i?JEiif'iiigiääf;lil'ifjiliäiä33.2"" bei verheißt-s Verbindung, die 
gerade durch die Wiener Werkstätte 
(Czeschka besonders) legitim geworden ist. jenes Prutschersche Stengelglas, 
in Blau und Weiß, ist auch da. Und allerlei extranette Waren der Quincaillerie 
und Galanterie, bis zum Leder und sogar Papier. Das gesonderte Papier- 
assortiment ist an sich schon so eine kleine Geschmacksschule. Man kann 
ja alles so geschickt anfassen; den letzten Kieselstein, wie schon Tiffany an 
seinem berühmten Kamin aus Bachkieseln gezeigt hat; die Leute haben das 
Plakatauge bekommen. Die Natur besteht aus lauter Wertgegenständen, 
sobald der richtige Mensch über sie kommt. Die Keramik der Wiener 
Werkstätte ruht bekanntlich auf Bertold Löffler und Michael Powolny. So 
unter der Hand hat sich da förmlich ein neuer Typ entwickelt. Der neue 
Wiener Plakatstilmuß da abgefärbt haben. 
Von weitem schon erkennt man den be- 
sonderen Wurf in diesen Formen und einen 
eigenen dekorativen Stich,wie ihn die milch- 
weiße Glasur und die dicken blumenbunten 
Zutaten geben oder die breiten glanz- 
polierten Goldiiächen, die sich (seit Luksch) 
mit ähnlichen weißen Massen ins Gleich- 
gewicht setzen. Mit Geschmack sind Motive 
der Biederzeit wieder praktikabel gemacht, 
wie in Neu-Nymphenburg und Kopenhagen 
_ _ _ Muslerstiick eines Kaffeeservices, entworfen 
1a auch, aber mit deutlich anderer Note; vonEm.j.Margold.ausgeführtvonjosefßöck 

	        
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