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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 1)

nach Deutschland verkauft. Die Motive

sind: Stephanskirche vom kleinen Turm

her, äußeres Burgtor mit Hofburg,

Schönbrunn mit Gloriette, Michaelerplatz

 mit Burgtheater, ]osefsplatz, Am

Hof, Palais Schwarzenberg, Graben,

Hotel Munsch, Süd- und Staatsbahnhof.

 Lupenmäßig hingeperlte Staffage,

immer dem Gegenstand angemessen;

auf dem ]osefsplatz eine ganze Auffahrt

von Galaequipagen, bei St. Stephan

Geistliches. Von seiner Mikroskopik

nur ein Beispiel: über dem Balkon

des Hotels Munsch ist ein weißes

rotverziertes Zeltdach, in dessen Mitte

sich ein Schnörkel unter der Lupe in

das Wort „Casino" auflöst. Und dabei

jedes Blatt ein komponiertes, in Lichtwirkung

 und Farbenstimmung tadelloses

 Gemälde. Solche Blüten trieb nur

die vormärzliche Vedute. iGleichzeitig

im Glashofe Miethkes eine Ausstellung

großer und kleiner Bilder von Hodler.

Drei der großen waren einst in der

_ _ _ Srafüerte holzgescbnitzte Krippenfiguren, Arbeiten des josef

Sezessmn zu sehen und gehören Jetzt Partseh m Engelsberg, erste Hälfte des xrx. jahrhunderts,

Herrn Reininghaugjjgg vierte; „Heilige schlesisch (Direktor Karl Seugseis, Karlsbrunn)

Stunde" war diesen Sommer in München.

 Sechs Frauen in blauen Kleidern sitzen in einer Reihe, unter und über ihnen zwei

Streifen Blumenflor. Wirkung großartig. Auch die neuen kleinen Bilder gelten voll. Überhaupt,

 ein Blick da hinein gibt Kraft.

ERNST JUCH. Eine Gedächtnisausstellung, mit nachfolgender Versteigerung,

vereinigte in drei Sälen den Nachlaß dieses Originals unserer Kunstwelt. In Gotha

1838 geboren, in Wien 1909 gestorben, hatte er sich dermaßen eingewienert, daß man

sich ihn aus Wien gar nicht hinausdenken kann. ]ahrzehntelang war er der satirische

Zeichner des „Figaro", wo er dieses Wien gar liebevoll vermöbelte. Eigentlich mehr

humorisierte; denn seine Galle hatte einen starken Beigeschmack von Zärtlichkeit. Er

war ein seelenguter Mensch und nur punkt zwölf Uhr nachts „Anarchist", genau bis eins.

Und auch das nur jeden Freitag, in der berühmten „Anzengrubeü auch „Nische" genannt,

wo Anzengruber, Friedrich Schlögl, Rudolf Alt, Professor Albert, Ada Christen und andere

markante und markige Wiener sich fanden. Das war „Beim goldenen Löwen",

VIII. Bezirk, Kochgasse, und auch heute ist die „Nische" noch ein Kreuzweg der Geister.

Iuch aber, der seltsame, weißmähnige Gnom, war ihr zeichnender Chronist, und zwar am

liebsten auf Postkarten, die er zu Tausenden an Mitglieder und Nichtmitglieder versandte.

Hunderte davon sah man auch in der Ausstellung und lachte, so breit das Zwerchfell war.

Selbst die Stadtbibliothek besitzt eine, die dem 50. Geburtstage Anzengrubers galt, der

aber leider nicht mehr erlebt wurde. Und das Polizeimuseum besitzt ein Gemälde von

juch: „In der Neujahrsnacht", wo ein Wachmann als Vorsehung eines Betrunkenen

waltet. All dies Gelegentliche, ja Gelegenheitliche von juch hatte doch auch seine eigentümliche

 künstlerische Note. Unwillkiirlich zog man einen Vergleich mit Wilhelm Busch,

der gleichzeitig im „Hageubund" ausgestellt war. Bei beiden die zähen Naturstudien als

Untergrund der späteren Kapriolenkunst. Und diese selbst eigentlich ein Auslluß der


            
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