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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 2)

Diesen einmal gegebenen Formen

bleibt auch das ganze Mittelalter treu. Als

lehrreiches Beispiel hiefür möchte ich

die an den Erztaufen Norddeutschlands

dargestellten Trägerfiguren mit ihren

henkellosen Wasserkrügen nennen. An

der im Jahre 1290 gegossenen Bronzetaufe

 in der Marienkirche zu Rostock

gießen die Männer das Wasser aus

schlauchartigen Gefäßen ohne Stand-Häche

 (Abb. 17). Bei der Hildesheimer

Taufe, welche in der Zeit 1200 bis 1230

aus einer lokalen Gießhütte hervorgegangen

 ist, haben die Gefäße schon die

ausgesprochene Gestalt von standfähigen

Vasen mit Ausschmückung der Lippe,

des Gefäßhalses und Einschnürung des

Rumpfes im zweiten Drittel seiner Höhe

_ _ _ behufs Anbringung eines tiefer liegenden,

Abb. 29. Der heilige Benedikt und der Mönch . . .. .

Romanus, Stich des Meisters von Mondsee von zwel Elerstaben begleiteten Orna"

(Wien, Kaiserliche Kupferstichsamrnlung) mentierten Bandes (Abb, 18 bis 21).

Ganz die gleiche Form mit der eckigen

Ausladung des Gefäßbauches ist für die La-Tene-Periode nachgewiesen,

während sie der römischen Keramik der Kaiserzeit völlig unbekannt

geblieben ist. Ein schlankes, Haschenförmiges Gefäß, 26 Zentimeter hoch,

unverziert, jedoch mit Spuren gelber Glasur, vermutlich dem XIV. Jahrhundert

 angehörend, hat Graf Wilczek in Klagenfurt erworben (Abb. 23).

An die Museen wird nun die Aufgabe herantreten, der mittelalterlichen

Gefäßtöpferei eine höhere Beachtung zu schenken und ihre unter dem Titel

prähistorischer oder antiker Keramik eingereihten Bestände in dieser Hinsicht

zu prüfen und zu sichten.

Auch die Urne zählt zu den ältesten, vom Mittelalter beibehaltenen

Gefäßformen. Betrachten wir einen schwebenden Wassertropfen, so stellt er

ungefähr eine im oberen Teil abgeflachte Kugel dar. Das Bestreben des

Wassertropfens, Kugelgestalt anzunehmen, mag für die Wahl der ältesten

Gefäßform, der Urne, bestimmend gewesen sein. Sie hat dort, wo man die

Gefäße im Sande ruhen ließ - wie im Orient -, die Kugelgestalt lange

beibehalten; sonst aber eine Standfiäche oder einen Fuß erhalten.

Für eine kleine Urne im mährischen Landesmuseum, ausgegraben zu

Blansko im Jahre 1904, läßt sich die Entstehungszeit durch den Inhalt, einen

Münzenfund, annähernd bestimmen (Abb. 24). Es fanden sich in dieser Urne

Denare der Olmützer Vormundschaft, der Periode 1087 bis Iogo, in welcher

Euphenia von Ungarn für die vier Kinder nach ihrem verstorbenen Gatten,

dem Piemysliden Otto dem Schönen, die Vormundschaft führte. Das Gefäß ist


            
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