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fullscreen: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 240)

Das gibt zusammen mit den Nebenräumen die eben genannte Summe 
von rund 10.000 ÜMetern. Und dabei ist zu bemerken, dass mit diesen 
Anforderungen gewiss kein räumlicher Luxus getrieben, sondern nur 
dem wirklichen Bedürfniss genügt werden soll. So verlangt es die bestimmt 
umgrenzte Bodenlläche, welche auf der sogenannten Museumsinsel in 
Berlin den mannigfachen Zwecken der neuen Museumsanlage zu dienen 
haben wird. Auch muss mit in Anschlag gebracht werden, dass für die 
beiden den architektonischen Abgüssen zugewiesenen Räume (Höfe) eine 
Höhe von zu Metern projectirt ist, also ein Ausmaß, welches die gewöhn- 
liche Saalhöhe bedeutend übersteigt. 
Wenn wir also in Wien auch nur eine Gypsgusssamrnlung von 
gleicher Größe wie die Berliner schaffen wollten, so dürfte das Raum- 
ausmaß dafür nicht geringer als auf io-rmooo [Meter veranschlagt 
werden. Dazu kommen Mauerstärken, Verwaltungslocalitäten, Räume für 
die Gypsgießerei, Bildhauerateliers, Formendepöts u. s. w. mit noch etwa 
einem Drittel der obigen Summe: das ergibt ein Raumerforderniss von 
circa 16.000 ÜMeter für die gesammten Museumszwecke, - ein Erfor- 
derniss, welches auch bei zweistöckiger Anlage des Gebäudes, die rnir 
jedoch durchgängig nicht für wünschenswerth erscheint, nur auf einem 
sehr großen Platze zu befriedigen ist. 
Wo diesen Platz finden? - Das ist nach der Klarstellung des 
Programmes und des räumlichen Umfanges der projectirten Anlage nun 
die wichtigste Frage, welche wir zu erörtern haben. Außer der Größe 
des Platzes, den wir bedürfen, kommt dabei auch die Art des Museums, 
ich meine die Natur der in ihm aufzustellenden Objecte, wesentlich mit 
in Betracht. Es sollen dies keine Originalwerke, sondern aus- 
schließlich, oder doch in der weit überwiegenden Mehrzahl Abgüsse, 
Nachbildungen, außerdem Gypsmodelle sein. Ich denke mir: für ein 
Museum dieser Art eignet sich kein Monume ntalb au. Der Prachtauf- 
wand an Material und Stil, welchen dieser fordert, würde mit dem 
schlichten Gyps in einem unvortheilhaften Contraste stehen. Damit aber 
ist jeder Platz innerhalb der Stadt, an welchem nur ein Monumental- 
bau stehen könnte, von vornherein ausgeschlossen. Es gibt auch 
innerhalb der Stadt schwerlich ein Terrain von der erforderlichen 
Größe, welches ohne die riesigsten Kosten und Schwierigkeiten für die 
Zwecke des Museums zu erwerben wäre. 
Wir müssen also, aus inneren und äußeren Gründen, Umschau 
halten in der näheren Umgebung der Stadt, um einen Platz ausfindig zu 
machen, der allen gestellten Bedingungen entspricht: der hinreichend 
groß, nicht allzutheuer und so situirt ist, dass auf ihm nicht nothwendiger- 
weise ein kostbarer Monumentalbau aufgeführt werden muss. 
Und da, glaube ich nun, kann unser Blick wohl nirgend anders- 
wohin fallen als auf den Prater. Der Prater ist nicht mehr, wie früher, 
vorherrschend Belustigungsort im Freien. Seit der Weltausstellung ist er
	        
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