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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 4)

Manethaft empfunden, aber mit Qualität ist die Dame mit weißem Schal von William

Chase, in der Harmonie graugelben Hintergrunds mit schwarzer Kleidüäche und dem

silbrigen Schmelz des langfransigen, weich spielenden Schals darüber. Dagegen schillert

das Porträt, das john Alexander von seiner Frau gibt, in grünrosa Kleid auf einer

steinernen Gartenbalustrade schwebend, stark in die geschminkte Theateroptik. Eine Art

dekoratives Menschen-Stilleben, so wirkt Mrne. I-lanako, die japanische Schauspielerin von

Ben-Ali Haggin. Die zierliche Figurine steht in einem lila-anemonen farbenen Gewand,

das sich mit seiner Schleppe wie ein Teppich breitet, seitlich im Raum eines großquadratischen

 Bildes. Eine ganze Kollektion Whistler hat die Ausstellung aufzuweisen: Aquarelle

aus Ajaccio, japanische Mädchen auf flachem Verandadach, dunkelblaue Venedig-Notturno,

Eindrücke von Wellenbewegungen, epigrammatisch aufgezeichnet.

Viel mehr Bedeutung als diese etwas nebensächlichen Arbeiten haben die Radierungen

 Whistlers, venezianische Filigrane, Spitzenwerk mit der Nadel hingehaucht, von

Licht und Luft aufgelöste Architekturen in Tremolo-Linien.

Diesen feinen Blättern sind nachbarlich gesellt die wuchtigen Schwarzkünste Joseph

Pennells. Er liebt die dröhnenden Hammerwerke, die Riesenphantasien aus Eisen und Stahl,

ragende Schornsteine und gigantische Brückengespinste. Er gestaltet das technische Leben

Amerikas, den Arbeitsrhythmus, das gewaltige Epos der Maschine. Er ist in seiner

Graphik dem stählernen Gegenwarts- und Zukunftsdichter johannes V. jensen wesensnah,

und er erscheint in dieser europäischen Rezeption amerikanischer Kunst als der

Amerikanischste.

Ein Vorspiel zur Brüsseler Weltausstellung gab die Berliner Porzellanmanufaktur.

Ehe sie ihre zerbrechlichen Schätze, mit denen sie in Belgien auf der großen Völkermesse

konkurrieren will, einpackte, bot sie sie den Kennern und Gönnern zur Schau. Berlin wird

diesmal besser bestehen als vor zehn jahren in Paris. Das ist das Verdienst des neuen

Direktors, Professors Schmuz-Baudiss.

Eine vielseitige Fülle stellt sich dar. Von den alten, stolzen Schätzen sieht man das

berühmte Service aus dem Breslauer Stadtschloß und die Statuette der Kaiserin Katharina,

das Mittelstück des grandiosen Huldigungstriumphes, den Friedrich der Große der

russischen Herrscherin als Tafelaufsatz schenkte. Von den neuen Arbeiten interessieren

besonders die Stücke in Unterglasurmalerei und in Scharffeuerbrand; die Palette, die Farbenmöglichkeit

 der Berliner Manufaktur ist hierbei reichhaltiger als die der dänischen.

Eine große Rolle spielt die Plastik, die sich mit Glück auch am Porträt versucht.

Sehr wirkungsvoll kommen die Frauenstatuetten heraus. Ebenso lebendig wie das

XVXII. Jahrhundert seine bauschigen, segelhaft geschwellten Krinolinen, blühend von Streumustern,

 im Porzellan bildete, ebenso modelliert die Gegenwart die Pfauenschleppe des

langwehenden Kleides, den großen flachen Muff im langgestreckten Arm und die breite

Rampe des weitschattenden I-Iutes. Dies keramische Material erweist sich mit seinen

weichen, welligen Formen, mit seiner spiegelnden, für Licht und Schatten besonders

empfänglichen Oberfläche außerordentlich dankbar für die Wiedergabe fließender Frauenstoffe.

 Das zeigt sich in dem Abbild der jungen Dame im lilagestreiften, weißen, krisseligen

Sommerkleid auf weißer Gartenbank besonders reizvoll.

Neben dieser veristischen Plastik gibt es auch eine romantische, sie trägt die Zeitsignatur

 der Tanzperiode, der Elektra- und Salome-Dichtung. I-Iüftgewänder Hattern um

solche Bachantin, blau, vom Goldadernetz übersponnen, mit grün umrandeten, gelb-Hammigen

 Palmetten gemustert. Auch hier begegnet eine Porträtskulptur, Ruth St. Denis,

die Buddhapriesterin.

Frappant sind die Tiermodellierungen, die mit den keramischen Menagerien der

Dänen wetteifern können. Bunte Beute aus dem Zoo, nach der Natur eingefangen, reckt
            
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