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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 4)

2119

und streckt sich hier: täppische Hunde mit ungeschlachten Gliedmaßen, kollernde Truthähne,

 gelbliedrige Kücken wie ilammige Federbälle, ein Elephantenpaar von ausdrucksstarker

 Körperarchitektur, dekorativ tupfige Leoparden und lichtgraue Affen, deren porzellanene

 Haut frierend zu schaudern scheint. Witzig sind die beiden Fabeltiere, der Flamingo

als befriedigte Selbstgefälligkeit und der heraldische Ordensadler mit der Pose, dem steilen

Gesicht und dem Haarschopf des großen Mimen Possart.

Daneben gibt es viel hübsches Nutz- und Schaurequisit. Aparte Schirmknöpfe, ahorugrau

 scheckig überlaufen, malachitgrün mit kristallinischem Feuer, durchbrochene Gitterkörbe;

 Vasen mit dem Schimmermoire grünlicher und silberner Eissterne; Platten mit

Landschafts- und Seestimmungen. So kann man der Berliner Manufaktur eine glückhafte

Frühlingsfahrt nach dem Klein-Paris wünschen.

Die berühmte Manetsamrnlung von Pellerin ist jetzt bei Cassirer ausgestellt, nicht

nur zur Schau, auch zum Verkauf, und die meisten Stücke sind bereits von neuen Besitzerhänden

 belegt. Die Hauptnummer ist das lebensgroße Porträt des Kupferstechers Desboutin,

 ein Meisterbildnis lebendiger Farbe im Dunkel der Gestalt, dem rotblonden Hund,

dem Weiß des Tabaksbeutels, des Kragens und der Schleife. Und darüber das sprechende,

erfüllte Gesicht mit den sprühenden Augen. Gegen dies groß aufgemauerte Menschenbild

wirkt die Claude Monet-Familie im Grünen als ein heiter spielendes Blumenstück: Madame,

im breitgelagerten, rondellhaft sich rundendem Kleide, sitzt auf dem Rasen, Monet, in

blauer Bluse, bestellt ein Beet und Figuren und Vegetation verklingen farbig ineinander -

malerisch beseelte Gartenkunst. Nicht weniger harmonisch ist das tonige Ensemble

von Menschen und Dingen in dem Atelierbild mit seinem Stilleben-Durcheinander

und dem energisch und robust modellierten Vordergrundtyp des jungen Mannes im

runden Strohhut.

Diese Vordergrundstechnik, bei der eine Figur gleichsam am Ufer des Bildes steht,

voll herausgearbeitet, und hinter ihrem Rücken die farbigen Wellen von Stillebenmotiven

und Menschenmassen der Statisterie branden, dies ist auch für die Bar der Folies Bergeres

von 1882 charakteristisch. Die Barmaid ist hier die farbige Heroine in der bunten Optik der

Alkoholphiolen und Teufelselixire mit dem Gelb der Orangen, und am Horizont wallt und

wogt es vom Changeant flutenden Getümmels.

Und noch einmal begegnet solch Arrangement in dem Skatingbild mit der exponierten

Dame am Rand des Rahmens und dem gleitenden Schattenspiel der rollenden Läufer auf

der Weite des Hintergrundes.

Eine historische Kuriosität, so wirkt die Nana von 77. Blondes Fleisch im blauen

Korsett, weißem Unterrock, grauen Strümpfen mit der Puderquaste vor dem Stehspiegel;

der Herr auf dem Sofa im Frack, vom Rahmen witzig halbiert. Ein Revolutionsdokument

vergangener Zeit.

Die Erlesenheiten dieser Sammlung, die sich jetzt zersplittert, sind gewiß die Pastelle.

Der Duft dieser hauchigen Frauenbildnisse, in denen samtiges Schwarz, ein puderfeines

helles Blau und Rosa variiert wird, ist unbeschreiblich. Man denkt an den farbigen Schmelzstaub

 der Schmetterlingsiiügel, und der Esprit der Linie in den Bewegungsetuden der

Frauen bei der Toilette führt zu Degas. F. Poppenberg

DAS BÜRGERHAÜS IN DER SCHVVEIZI" I. Band: Das Bürgerhaus in Uri.

Der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein hat es unternommen, dem

„Bürgerhaus in der Schweiz" eine umfassende und sorgfältige Publikation zu widmen. Er

" Basel 19m. Verlag von Helbing und Lichtenhahn.
            
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