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Full text: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 5)

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wirklich köstlichen Eierkuchen. Aber Madame - und Omelettenkünstlerin - 
das sind zwei verschiedene Personen geworden. Mit der Würde einer 
Königin streicht die Dame des Hauses den Betrag der Rechnungen ein, den 
Fremdling kaum eines Blickes würdigend, der nach seiner Schuldigkeit fragt. 
Ihr Gatte aber leitet als I-Iotelkönig die Eßschlachten und sorgt dafür, daß 
keiner zu kurz komme. Zu seiner Ehre sei's indes gesagt: Das sonst an 
großen Fremdenverkehrsplätzen so beliebte „Über-die-Ohren-"I-Iauen" rechen- 
gewandter Zahlkellner ist dort bis dato nicht eingeführt, wie denn überhaupt 
in der ganzen Normandie, ein paar Badeorte vielleicht ausgenommen, 
durchaus solide Wirtshausverhältnisse die Norm bilden. Ein einziges Mal ist 
 
Abb. 6. Die Nordwestseite des „Monw mir den Überresten der „Fax-Et d: Scissy". Unten die ChapeXle Saint-Aübert 
es mir beim Bereisen des herrlichen Landes passiert, daß die Rechnung für 
Speise und Trank und Nachtquartier einem Aderlaß gleichkam. Der Wirt 
war kein Franzose, sondern ein M Landsmann. 
Vor vielen Jahren - ich war Student am Züricher Polytechnikum, 
zu Gottfried Sempers Zeiten - blätterte ich im „Dictionnaire Raisonne 
de l'Architecture Francaise" von Viollet-le-Duc, Aufklärung über irgend- 
einen technischen Ausdruck suchend. Mein Blick Gel auf eine der meister- 
haften Darstellungen des ebenso geistreichen als sachlich unübertroffenen 
Gelehrten: unten Wasser, darüber Bastionen, Wallgang und weiter quader- 
gefügte Türme, an die aufsteigenden Felsen angeschrniegt ein Städtlein, 
„rußig, eng und schmal", hohes Mauerwerk mit Widerlagern, gotischen
	        

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