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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 8 und 9)

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zwei Augen hat und ungern eine so wichtige Sache vermißt, so müssen

beide Augen auf eine Seite des Prol-ils gelangen.

Außer den erwähnten mehr volkstümlichen Arbeiten der frühestmittelalterlichen

 Zeit sind aber auch Gewebe aus kostbarer Seide zur Ausstellung

gelangt, darunter ein Exemplar des bekannten sogenannten Simsonstoffes,

mit den symmetrisch in I-Iorizontalstreifen geordneten Löwenkämpfern,

wohl ein frühes syrisches Erzeugnis. Sonst wäre der Prachtstoff mit den

symmetrischen Löwenjägern aus Sankt Ursula in Köln zu erwähnen.

Aus derselben Kirche und aus dem Berliner Kunstgewerbemuseum

sind auch bemerkenswerte sassanidische Stoffe mit jagd- und Kampfdarstellungen

 eingelangt; in den sassanidischen Kreis gehört auch der

bekannte, hier wieder zugänglich gemachte, Stoff aus Sankt Kunibert in Köln

mit der symmetrischen Darstellung des persischen Prinzen Bahram Gur auf

der Jagd.

Zu bemerken wäre auch ein Seidenstoff-Fragment aus dem Rijksmuseum

in Amsterdam mit (ehemals symmetrisch angeordneten) Löwen am heiligen

Baume.

Wir mußten hier immer wieder von „symmetrischen" Mustern sprechen;

wir gelangen damit zu einer anderen Eigentümlichkeit primitiven Kunst-Schaffens,

 die auch unserer europäischen und überhaupt jeder Volkskunst

mehr oder weniger eigen ist und dann in feststehenden Typen (manchmal

auch als Modelaune) aus primitiven Zeiten in die höher entwickelte Kunst

übernommen wird. Das bekannteste Beispiel merkwürdiger Symmetrie ist ja

der zweiköpiige Adler; man findet aber auch umgekehrt sogar vier radial

zusammenstehende Leiber von Vierfüßern mit einem gemeinsamen, von

vorne gesehenen, Kopf in der Mitte. _

Wir wollen uns hier nicht damit aufhalten, zu untersuchen, wie viel

von der materialistischen Erklärung solcher Symmetrie aus der Webetechnik

 wirklich richtig ist, sondern wir wollen nur die Tatsache hervorheben,

 daß in der Vorliebe für die Symmetrie, mindestens im Dulden derselben

 auch dort, wo sie einer individueller denkenden Zeit störend

erscheinen muß, wie bei figürlichen Szenen, die orientalische Kunst eben

wieder mit jeder Volkskunst, mit der europäischen und außereuropäischen,

übereinkommt. Die Symmetrie ist das nächstliegende und wohl auch stärkste

Mittel, Ruhe und Ausgeglichenheit herzustellen, und das unter Umständen

Störende tritt für den Primitiven dadurch zurück, daß seine Erinnerungsbilder

 und Darstellungen überhaupt nur allgemein und nicht etwa naturalistisch

 sind, und daß das Auge des Primitiven _ was besonders zu beachten

ist - ebenso wie das des Kindes immer nur am Einzelnen haftet und das Ganze

nur als allgemeinen Linien- oder Farbenreiz empfindet. Wir sind heute gewohnt,

 Dinge, die im Raume nebeneinander dargestellt sind, als gleichzeitig

zu emplinden. Wenn wir in einem Kreise zwei jagende Prinzen dargestellt

sehen, können wir uns nicht vorstellen, daß das nur Ein Prinz sein soll, der

eben nur zweimal dargestellt ist. Aber noch in der Gotik kann man dieselbe
            
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