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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 8 und 9)

ganze Mittelalter hindurch die Arabeske, die sich in diesem Kunstzweige

vielleicht am üppigsten entfaltet hat. Zu besonderer Blüte gedieh sie in der

Schule von Kairo in Verbindung mit den überlieferten geometrischen Mustern.

Ein prächtiger Koran der Sammlung Moritz zeigt diesen Stil in seiner

höchsten Vollendung (siehe Abb. 21). Die Farben sind damals noch sehr

diskret: neben Gold kommen besonders Blau und Braun zur Verwendung;

das letztere wird später durch ein grelles Rot ersetzt.

In spanischen und marokkanischen Handschriften findet man fast den

ganzen Formenschatz der maurischen Bauten Andalusiens wieder; die

Farbenskala ist dort gewöhnlich größer und in Arbeiten jüngeren Datums

wenig gedämpft; das Gold verschwindet allmählich ganz.

In Persien erreicht im XV. Jahrhundert der ornamentale Dekor seinen

Höhepunkt; hier sind neben den Titeln besonders die kleinen arabischen

Kapitelköpfe in den Werken persischer Dichter, meist in weißer Tinte auf

buntem Rankengrund, von eigenem Reiz. Nach der historischen Überlieferung

hat vor allem die Schule von Tebriz diesen Stil gepflegt und die besten Arabeskenzeichner

 hervorgebracht. Zu ihnen gehörte auch der Illuminator eines

Korans vom Jahre 1463, den das Museum der Handels- und Gewerbekammer

 zu Prag ausgestellt hat, Ahmed ben Mohammed von Tebriz. Von

dort wurden später viele Künstler an den neuen Hof von Konstantinopel

gezogen, wo sie eine eigene Zunft bildeten, deren Erzeugnisse sich wegen

der engen Verwandtschaft mit Persien nur schwer aussondern lassen; ostasiatische

 Elemente, wie das Wolkenband, sind auf solche Weise ebenfalls

in die türkische Buchkunst gelangt, in der im übrigen die naturalistische

Blumenranke seit dem XVI. Jahrhundert an die Stelle der Arabeske getreten

ist. Ein schöner, 1565 datierter Koran aus dem Hamburger Museum für

Kunst und Gewerbe, von Mohammed ben Ahmed „von Tebriz", vielleicht

aus der Familie des oben genannten Kalligraphen, zeigt am deutlichsten

diesen Ursprung der Stambuler Schule. Als eine ihrer besten Leistungen

können wir ferner einen großen Prunkkoran betrachten, aus dem fünf prächtige

 Zierblätter in die Sammlung Zander (Berlin) gelangt sind (siehe Abb. 22).

Mit der Okkupation durch die Osmanen hat dieser persisch-türkische Buchstil

 auch in Ägypten Eingang gefunden und es ist in den meisten Fällen heute

noch unmöglich, kunsthistorische Bestimmungen in dieser Hinsicht mit

genügender Sicherheit zu machen.

Die eigentliche Miniatur, die für uns natürlich den interessantesten

Bestandteil des ganzen Buchschmucks ausmacht, ist vielen mohammedanischen

 Ländern völlig unbekannt geblieben, was sich aus der strengen

Beobachtung des Bilderverbotes von selbst ergibt. Aber sie ist trotzdem auch

im sunnitischen Gebiet hie und da vorgekommen. Den Grund dafür wird

man nicht allein in religiöser Skrupellosigkeit und in einem künstlerischen

Bedürfnis nach figürlicher Illustration erblicken dürfen, sondern man muß

vor allem auch berücksichtigen, daß sie in Anlehnung an fremde Vorbilder

entstand und oft geradezu nach solchen kopiert wurde. Handelte es sich zum
            
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