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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 8 und 9)

Kleinasien hauptsächlich in der Seldschukenzeit, einer Epoche von bekannter

religiöser Gleichgültigkeit und offenbar kultureller Abhängigkeit von Persien.

Der starke ostasiatische Einfluß, der mit den Mongoleneixifällen in Vorderasien

 einzog, hat die islamische Ikonographie eigentlich nur mit einigen in

dieser I-Iinsicht harmlosen Fabeltieren (Drachen, Phönix, Kilin etc.) bereichert,

die mit dem Interdikt ebensowenig gemeint sein konnten, wie die aus dem

alten Orient übernommenen Symbole (Sphinxe, Greifen, Sirenenvögel,

Zodiakalbilder etc.). Dasselbe ist wahrscheinlich bei einer ganzen Reihe von

Tieren (Löwen, Enten, Adlern etc.) der Fall, die ihre übertragene Bedeutung

nicht ohne weiteres erkennen lassen, bei denen es aber am naturalistischen

Dolus - wenn man so sagen darf - sicher gefehlt hat. Lehrreich ist dafür

auch die außerordentlich häufige Schilderung von Tieren, die einander verfolgen,

 überfallen oder zerfieischen, ein sehr altes Motiv des Orients, das

offenbar eine Aktion von rnetaphysischer Bedeutung wiedergibt, für die wir

um eine einleuchtende Erklärung noch verlegen sind. Rein ornamental sind

natürlich Tieriiguren in symmetrischer Gegenüberstellung (im Wappenstil)

aufzufassen.

Ähnlich wie bei den Tierbildem liegen die Umstände bei der Darstellung

des Menschen. In Persien hat man sich auch in der Hinsicht nur dann unbedingt

 Schranken auferlegt, wenn religiöse Zwecke in Frage kamen, dagegen

sind in der profanen Kunst Figürliche Szenen stets sehr beliebt gewesen. In

den Miniaturen handelt es sich meist um Illustrationen zu den nationalen

Dichtwerken, bei der Keramik und beim Metall um genrehafte Darstellungen,

Kämpfe, Spiele und dergleichen, bei den Stoffen um eine beschränkte Anzahl

von vereinfachten Schemen aus beiden Gruppen. Die einzigen an das Religiöse

 streifenden Themata (mit Genien, Engeln etc.) sind mystischen Inhalts.

In den strenggläubigen Ländern ist dagegen die Wiedergabe der menschlichen

 Gestalt stets verpönt gewesen und nur unter direkten fremden Einflüssen

 hie und da ausnahmsweise vorgekommen.

Die Blütezeiten des Kunstgewerbes fallen naturgemäß mit den Glanzperioden

 der einzelnen mohammedanischen Staaten zusammen. Persien

hatte, als es vom Islam erobert wurde, in seiner ruhmreichen sassanidischen

Epoche so viel neue Formen hervorgebracht, daß es sogleich bestimmenden

Einfluß auf die Kunst des Kalifats gewann. Wir nehmen noch immer die

Textilien und die Metallarbeiten, die uns aus jener Zeit erhalten sind, zum Ausgangspunkt

 aller Studien auf diesen Gebieten. Im engen Zusammenhange

mit Mesopotamien gelangten dann im Mittelalter die Tauschiertechnik und

die Keramik zu reicher Entfaltung. Mit der Mongolenherrschaft erfolgte ein

neuer Aufschwung, der besonders der Miniaturmalerei förderlich war, und

unter den Safawiden entstanden im XVI. und XVII. Jahrhundert die prächtigen

 Erzeugnisse der Weberei und Teppichknüpferei, die an technischer

Vollendung nicht wieder erreicht worden sind. Ägypten zeigt von allen

mohammedanischen Ländern die ruhigste Entwicklung, die sich von den

koptischen Traditionen durch die Epochen der Tuluniden, Fatimiden und
            
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