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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 10)

DER SCHUTT DER NÜRNBERGER FAYENCE-MANUFAKTUR

 50' VON WALTER STENGEL-NURNBERG

 Sie

URCH das Hochwasser im Frühjahr 1909 wurde in

Nürnberg, außerhalb der Stadt, Hußabwärts ein

Scherbenhaufen abgesetzt, der Fragmente von

sehr verschiedenartigen keramischen Produkten,

wahrscheinlich die ausgespülte Füllung eines oder

mehrerer Brunnen, enthielt: neben bedrucktem

Steingut rheinisches Steinzeug des XVI. und

XVII. Jahrhunderts, Majolika, süddeutsche Fayence

 des XVIILJahrhunderts, sächsisches Steinzeug

 des XVII. Jahrhunderts, bunte Hafnerware

der Renaissance und unter anderem auch das

Fragment eines spätgotischen Kruges mit der Gruppe Johannis und

Mariä. Scherbenfunde wie dieser haben nur bedingten Wert für die

keramische Wissenschaft. Wenn Provenienz und I-Ierstellungsort ohne

weiteres gleichgesetzt werden, können solche Entdeckungen zu Irrtümern

führen. In der italienischen Literatur zum Beispiel ist das bekanntlich manches

Mal geschehen.

Von ganz anderer Bedeutung für die Geschichte der Keramik sind die

Ergebnisse von Grabungen im Grund und Boden alter Töpfereibetriebe selbst.

So haben die Komödien- und Maximinenstraßenfunde in Köln unserer Kenntnis

des rheinischen Steinzeugs erst die rechte Grundlage gegeben.

Im Juli dieses Jahres wurde in Nürnberg wieder ein größerer Scherbenfund

 gemacht. Auf der Stelle, wo die Nürnberger Fayencemanufaktur des

XVIII. Jahrhunderts gestanden hatte, an der Karthäusergasse," waren einige

kleine I-Iäuser abgebrochen worden, um einem Neubau Platz zu machen.

Bei den Erdarbeiten kam der vor Jahrzehnten zu Grundauffüllungen verwendete

 Müll der ehemaligen Fabrik nebst dem Fundament des Brennofens zutage.

In bedeutender Menge fanden sich zunächst Fragmente von großen,

inwendig glasierten starken Tonzylindem mit kleinen dreieckigen Ausschnitten.

Ihr einstiger Zweck kann nicht zweifelhaft sein. Es sind die Muffelkapseln, die

dem zum Garbrand bestimmten Geschirr als Schutzmantel gegen Flamme und

Ruß dienten. Die dicke Glasur, die sie an der Innenseite überzieht, sollte verhüten,

 daß der Ton der Kapsel dem Geschirr das Fett gewissermaßen der

Glasur entziehe. Massenhaft fand ich dann dreikantige, am Ende verdickte

Tonstäbe. Wahrscheinlich steckte man sie in die dreieckigen Löcher der

Muffe], teils zum Verschluß, teils als Träger und Isolatoren des im Innern

aufgeschichteten Geschirrs.DemZwecke, das Zusammenbacken zu verhindern

-- verwachsene Mißgebäcke haben sich im Schutt gefunden, wie überhaupt

die Mehrzahl der Scherben von verworfenen Fehlstücken herrührt - und

" Vergleiche Bayerische Gewerbezeitung, VII (1894), S. 3x3.


            
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