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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 10)

Jvv

Ihr einstweiliges Fehlen ist ein Mangel. den auch viele Kunsthandwerker

bedauern. Immerhin ist die jetzige Kollektion ein so großer Fortschritt in

unseren musealen Bestrebungen auf dem Gebiet der dekorativen Kunst, daß

wir damit vorläufig zufrieden sein können.

KLEINE NACHRICHTEN 5b

OETHEDENKMAL. „Amerika, du hast es besser als unser Kontinentl",

sprach Goethe. Und nun wollen die Deutschen Chicagos ihm ein Denkmal setzen. Ihr

Wunschzettel war klug, sie rnochten kein Porträtstandbild, sondern ein plastisches

Gartenschmuckstück _ für den Lincoln Park -, das beziehungsvoll, wahrzeichenhaft

auf den Dichter und sein Werk deuten sollte. Die Konkurrenzentwürfe wurden in der

Akademie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Jury hat schnell und, wie die

Metakritik sagen darf, glücklich geurteilt und den Siegerkranz an die Skizze des Münchners

Hermann Hahn gehängt.

Das Motto dieser preisgekrönten Arbeit lautet: „Er nahm an sich AdlerHügel." Und

ihre Gestalt ist ein Jüngling, den rechten Fuß auf einen Fels stützend und auf dem Schenkel

einen Adler hegend. Diese Gestalt drückt weites und königliches Schauen frei und groß

aus. Das Postament ist hoch viereckig und länglich, einem Sarkophag ähnlich, mit sparsamem

 Ornament und einem gemeißelten Spruch auf der Vorderseite: „Du stehst mit unerforschtem

 Busen geheimnisvoll offenbar über der erstaunten Welt und schaust aus Wolken

auf ihre Reiche und Herrlichkeit!" Eine Bank-Architektur im Halbrund soll das Standbild

umziehen.

Von den anderen Entwürfen fallt vor allem Hugo Lederers Pantheon auf. Ein pathetisch

 monumentaler Huldigungstempel aus Muschelkalk. Inmitten eine Brunnenschale und

in vier Nischen Bronzesybillen: „Philosophie, Drama, Wissenschaft, Lyrik".

Wenig glücklich sind andere architektonische Lösungen: einmal ein offener Pavillon

auf Säulen, von figurenreicher Balustrade umzogen, ganz beziehungslos; dann der tote

Rotundenbau mit dem schmalen Sphinx-Eingang, der Goetheherme in der Mitte und dem

um die Wandung laufenden Bronzefries mit Goethesprüchen und Gestalten.

Konventionell wirken die Kompositionen, die die gärtnerische Anlage besonders

betonen, mit der Reliefwand, die theatralisch im Opernstil einen Goethereigen auffuhrt, und

die eines anderen Entwurfs, die als Abschluß einer kahlen und leeren Beetdisposition einen

geflügelten Genius nach dem Schema auf eine Säule setzt.

Wenig Einfall hat die Bronzekulisse von Wrba mit den flankierenden allegorischen

Figuren und dem wie eine Totenmaske starren Goethekopf, als Medaillon in Kranzumrahmung.



Und ein Einfall zwar, aber ein verfehlter, ist jenes Skulpturstück, das sich „eine seltene

Blume" nennt, aus steinernen Rillen einen Kelch entwickelt, zwischen dessen Blättern,

sehr unbildnerisch, Masken sitzen, und aufdies Kapitäl einen beliebigen Musenknaben stellt.

Doch Hermann Hahns Adlerjüngling wird in Chicago deutsche Art und Kunst würdig

vertreten.

DEUTSCHE KERAMIK. In der Ausstellung für Bauindustrie, die 1910 draußen

in Treptow am Baumschulenweg stattfand, überwogen Kraft und Stoff, Maschinen

und Materialien das Dekorative. Eine Gruppe Keramik vertrat das in guter Auslese und

machte uns mit deutschen Manufakturen bekannt.

Zu einer neuen Blüte ist die Töpferei gekommen, und alte historische Stätten, die

eingeschlafen waren, sind wieder erweckt worden. So Bürgel bei jena, das durch van de

Veldes Weimarer Schule gute Anregung erhielt. Schalen, Vasen und Töpfe mit geschmacks-
            
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