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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 10)

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CHAUFENSTER-WETTBEWERB. In diesen Herbsttagen fand in Berlin

wieder der Schaufenster-Wettbewerb statt, und die Straßenwände boten drängenden

Menschenmassen eine Fülle farbiger Bühnen. Der Gesamteindruck war ein sehr guter. Die

Dekorierung mit sachlichen Mitteln, die aus der Sphäre der Ware sich ergibt, hat zugenommen.

 Freilich fehlt es nicht an reichlichen Gegenbeispielen. Eine allzugroße Rolle

spielt noch der grelle amerikanische Geschmack, der aus dem Schaukasten ein Panoptikum,

ein Warenkabarett machen will. Meist mit vielen Kosten als eine Extraleistung. Da machen

Schuhgeschäfte ein Puppentheater hinter ihren Scheiben, einen Probiersalon; oder sie

bauen eine Szene auf, einen Hotelkorridor, auf dem ein Boy vor der Zimmertür die Stiefel

aufnimmt. Ferner die Papplandschaft mit dem großen Teich, in dem ein Schiff Remingtonkisten

 von Amerika bringt, und der Geld-Schrank

 von den Illusionsilammen Hackernder

 roter Bänder umzüngelt wird. Das gibt

natürlich einen Effekt, vor allem noch in dem

Falle, wo die Wachsfigur den Herrn bei der

Toilette darstellt, aber es gibt Wirkungen

mit vornehmeren und zugleich sachlicheren

Mitteln.

Sehr lehrreich dafür war die Dekoration

'eines Seifenfensters von Tietz. Dem amerikanischen

 Stil verwandt, scheinbar, aber dabei

 ganz im Bereich der betreBenden Ware

bleibend. Die Seifenstücke waren als Mauerwerk

 geschlossen geschichtet, eine ganz legitime

 Wirkung gegenüber den alten Seifenarchitekturen

 der Tempel und Schlösser. Im

Mauerwerk eingelassen _ wieder ganz organisch

 H ein Reliefplakat, und davor eine

Fontäne, aus der Seifenschaum rinnt.

Wie darstellerischer Stil gelungen und

vornehm sein kann, dafür gibt es manche

Beispiele.

Ein Wollgeschäft stellt in die Ecke die -

übrigens sehr gute 4 Trachtenligur eines

Schäfers, der das Schäflein schert. Das scheint

nun vielleicht auch Panoptikum, aber es ist

nicht die Hauptsache, wesentlich ist, wie in

echten groben Bauernkörben die allmähliche

Entwicklung vom Rohmaterial an vorgeführt wird. Und sachliche Dekoration ist die

Umrahmung mit Gehängen aus farbigen Wollsträhnen.

Mit feinem Takt, unter Verzicht auf Figurinen und Mannequins, bietet Basar Nürnberg

 alte Bauerntrachten für Kostümzwecke dar: interieurhaft mit altem Mobiliar, so daß

das tiefe Braun der Flechtstühle und der Schnitztruhen den Unterton für buntgestickte

Mieder und Goldhauben gibt. Und die Kompositionsverbindung von Stoff und Truhe ist

eine sehr legitime.

Das vollkommenste Beispiel solcher Inszenierung, die aus dem Fenster eine Bühne

macht, ohne dabei in einen falschen theatralischen Stil zu verfallen und sicher in ihren

Grenzen bleibt, liefert wieder das Herrenmodehaus von Hermann I-Ioifmann. Auch hier sind

Modellgruppen ganz vermieden. Einmal wird Reisestimmung angeschlagen: ein wuchtiger

Lederkoffer, Plaid, Mütze und Stock darauf, über einen Korbstuhl geworfen ein geräumiger

Ulster. In einem zweiten schwingt die Hausatrnosphäre eines Amateurs und Sammlers. Es

soll angedeutet werden, was ein phantasievoller Mensch, der sich auf der Straße mit dem



Aus dem Fachkurse für Textilzeichner in Wien. Entwurf

 für einen Seidenstoff von Hermann Fehse
            
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