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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 11)

646

Die Symbolik spielt, wie leicht begreiflich, in der geistlichen Heroldskunst

 eine viel bedeutendere Rolle als ihr sonst in der I-Ieraldik zugewiesen

ist. Das vielgestaltige Kreuz und der Stern sind dominierende, immer wiederkehrende

 Figuren, sie gleichen in dieser Beziehung dem Adler und Löwen in

der weltlichen I-Ieraldik.



DEUTSCHES EDELZINN IM MUSEUM CARO-LINO-AUGUSTEUM

 IN SALZBURG S0 VON

ALFRED WALCHER VON MOLTHEIN-WIEN

x EBEN der reichen Sammlung bodenständiger Erzeugnisse

 des Zinngießergewerbes, die im jahrgang

 XII auf Seite 520 bis 542 eingehend besprochen

 wurde und die ein ziemlich geschlossenesBild

des Wandels eines wichtigen Handwerkszweiges

der Stadt und des Landes Salzburg liefert, besitzt

das Museum Carolino-Augusteum noch eine Reihe

fremder Arbeiten, die wegen ihrer künstlerischen

Qualität zum Edelzinn zählen. Sie gehören mehreren,

 in der Kunstliteratur bereits näher beleuchteten

 Gruppen an; treten aber innerhalb derselben

insofern hervor, als sie teils Unika, teils seltene Modelle sind.

Das hervorragendste Stück ist ein 15 Zentimeter hoher Zinnkrug mit

Darstellungen aus der Leidensgeschichte und einem zwischen diesen Reliefs

und dem Fußreifen angeordneten schmalen Band jagdszenen (Abb. I).

Seinem ganzen Charakter nach gehört der Krug zu einer Reihe von Gefäßen,

welche durch die breite Ausnutzung des Reliefschmuckes zu einer eigenen

Gruppe zusammengefaßt werden können. ,

Gute Vertreter dieses Typs besitzen der Louvre, das Österreichische

Museum, das Linzer Museum, die Sammlung Figdor in Wien, die Sammlung

Demiani in Dresden und besaß die vormalige Sammlung Lanna in Prag. Die

Wandungen dieser Kannen und Krüge, nicht selten auch die Deckel und

Standreifen, sind bei Belassung schmaler Trennungsbänder mit Reliefs

bedeckt ä ganzen, sich meistens wiederholenden Szenen oder eng aneinander

gereihten Einzelliguren. Der Eindruck einer Überladung liegt vor und erkennt

man die Absicht des Gießers, seinen Besitz an Modellen. zu denen auch

Plaketten Flötners und solche des Kopisten nach Hans Sebald Beham zählten,

möglichst zu verwerten. An Stadtmarken wurden bisher jene von Annaberg,

Marienberg und Schneeberg in Sachsen sowie Joachimsthal in Böhmen nachgewiesen.

 Das Herstellungsgebiet war somit ein eng begrenztes, auf die vier

wichtigsten Bergstädte des Erzgebirges beschränktes, und so ist anzunehmen,

daß in dieser, durch seinen Bergbau so reichen Gegend ein Nürnberger

Händler für seine Bleiabstöße nach den Originalbronzeplaketten oder für
            
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