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Volltext: Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart ; Weltausstellung 1873 in Wien ; Erste Reihe: Rohproduction und Industrie

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Der Consum beschränkt sich auf Oesterreich, Ungarn and 
Serbien. 
Der Bedarf an rohen Häuten wird zum grösseren Theile im 
Lande gedeckt, doch werden auch nicht unbedeutende Quantitäten 
roher Häute aus Deutschland und der Schweiz importirt. 
In der Erzeugung von Oberleder aus Kuh- und Kalbfellen für 
Beschuhung, Sattlerleder, Riemenleder für Masehinen-Riemen mit 
Fichten- und Eichenlohe gegerbt, lässt sich ein bedeutender Fort 
schritt constatiren. 
Noch in den Jahren 1830 bis 1840 wurde aus Russland Juchten 
im Werte von alljährlich circa 2 Millionen Gulden importirt. Diese 
Ledersorte hatte unstreitig den Vorzug besserer, dichterer Gerbung 
und wurde von der Land - Bevölkerung und den Arbeitern wegen 
besserer Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Feuchtigkeit 
mit Recht geschätzt. Die Production von Kuhleder für Beschuhung 
dagegen war eine höchst mangelhafte, denn die Häute wurden in der 
Kalkung 6 bis 8 Wochen belassen, das Zellengewebe dadurch derart 
gelockert, dass die Leder im gegerbten Zustande einem Schwamm 
nicht unähnlich waren, die Gerbung aber mit wenig Lohe erreicht. 
Es war somit gerechtfertigt, dass man Juchten vorzog. Dieser 
wurde aber in den Jahren 1840 bis 1845 durch das besser gegerbte 
Kuhleder ganz verdrängt, so dass seit 25 Jahren für Beschuhung 
wenig Juchten mehr verwendet wird. Es wurde aber die Appretur mit 
carrirten Narben wie beim Juchten beibehalten, das grelle Roth des 
Juchten in Schwarz verwandelt und ist heute das vorherrschende 
Beschuhungs-Material für den Landmann wie auch für die anderen 
Stände das Kuhleder und das Kalbleder. 
Die seiner Zeit übliche Fabrication lohgarer Leder durch meist 
kleine Gerbereien mit jener obbezeichneten schlechten Gerbungs- 
Methode ist beinahe ganz verschwunden. Grössere Etablissements mit 
rationellem, durch Dampf- oder Wasserkraft unterstütztem Betriebe, 
einfacherem und zumTheil beschleunigtem Gerbe-Verfahren herrschen 
jetzt vor. Wir haben nun so gut eingerichtete Gerbereien, dass sie 
ihresgleichen in den fortgeschrittensten Ländern suchen und deren 
Fabricate den besten an die Seite gestellt werden können. Der Bezug
	            		
339 verschiedener Ledersorten vom Auslande, worauf Oesterreich noch vor 30 Jahren angewiesen war, hat zum grossen Theil aufgehört. Erwähnenswert ist, dass vor kaum 30 Jahren die Bespannung in Oesterreich grösstentheils aus in Alaun gegerbtem Leder bestand, welches den Atmosphärilien wenig widersteht. In Ungarn und seinen Nebenländern wurden Bespannungen grösstentheils aus Hanfgurten und Stricken hergestellt. Nun verwendet man hiezu gut gegerbtes Geschirrleder, Blankleder genannt, womit sich Etablissements beschäf tigen, die per Jahr 5 bis 10.000 Stück in den Handel bringen, was ein Zeugniss für die fortgeschrittene Cultur darstellt. Angesichts dieser Thatsache kann ich nicht umhin, der Männer Erwähnung zu thun, welche auf diese Productions-Zweige wesentlichen Einfluss nahmen. J. Jauernig*) in Wilhelmsburg, welcher schon im Jahre 1822 eine kleine Gerberei in St. Veit an der Gölsen besass, und im Jahre 1829 nach Wilhelmsburg übersiedelte, daselbst eine Gerberei errichtete, die als die beste jener Zeit betrachtet werden muss. Eine von ihm erfundene Loh-Beissmaschine verkleinerte die Lohe; der Betrieb von Wasch- und Walkfässer, sowie die Haspelung der Loh- Geschirre wurden durch Wasserkraft erzielt. Seine Production umfasste Oberleder, Kalbfelle, Blank- und Maschinen-Leder, Cylinder-Felle. Die Gewerbe-Producten-Ausstellung 1835 brachte ihm die silberne Medaille. Jauernig war ein theoretisch und praktisch gebildeter Ger ber. Die erstere Eigenschaft veranlasste ihn zu vielen kostspieligen Experimenten und liess ihn manches Opfer seinem Berufe bringen. Jauernig schrieb Abhandlungen über Gewinnung von Gerbestoffen, namentlich der Weiden- und Eichenrinde und verlangte im Jahre 1827 ein Privilegium, den Gerbe-Process bei Sohlenleder abzukürzen, i ^ i J ue . rn *& wurde zu Ober-Laibach in Krain im Jahre 1793 geboren, .^besondere auf das Studium der technischen Chemie und beschäftigte sich behufs seiner praktischen Ausbildung durch mehrere Jahre 1 T n , sr °i S ^ r 0 en . Gerbereien Warschaus, Deutschlands und Frankreichs. Im Jahre !822 richtete er eine kleine Gerberei in St. Veit an der Gölsen ein, ubersredehe nn Jahre 1829 nach Wilhelmsburg, wo er eine grosse mit Was serkraft betriebene Gerberei gründete, die vermöge ihrer praktischen Ein- nchtung als die beste jener Zeit betrachtet wurde; er starb dortselbst im Jahre 1858. 22*
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