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Full text: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 1)

von Zapfenform und 20 Zentimeter 
Länge vorrätig. Zerschlagen und zer- 
kleinert, an einer Eisenstange im Ofen 
bis zur Zähßüssigkeit gewärmt, wurde 
es nun auf das Kölbel übertragen und 
mit diesem im Feuer angehitzt. Hier- 
durch erreichte der Glasmacher eine 
gleichmäßige Verteilung des Farb- 
glases über dem Kristallkölbel. Er 
nahm, da er in diesem Fall einen Innen- 
überfang herstellen wollte, abermals 
aus dem Kristallglashafen die nötige 
Menge Glasmasse auf und blies das 
Gefäß fertig. Der Außenüberfang da- 
gegen erfolgte „vom Nabel aus", auch 
„Trichter"genannt. Zu diesem Zwecke 
mußte der Meister mit Hilfe eines 
eisernen Instrumentes ein Loch in 
das Kristallkölbel stoßen, dieses zum 
 „Nabel" auftreiben und mit einem 
Patzen Farbglas wiederschließ en. War 
__ ein zwei- 
i ter Über- 
fang be- 
absichtigt, 
Abb. 32. Schweres Glas. gelb überfangen, die Wan- Sokafn auf 
dung mit Spitzsteindelschlifi, Medaillen mit Darstel- 
lung eines Hirschrudels am Wasser das erste 
Farbglas 
ein zweites. Das Ganze wurde nun gewärmt und 
zur Kugel von etwa 20 Zentimeter Durchmesser 
aufgeblasen. In die Höhe gehoben, sinkt der obere 
Teil der Kugel, also der farbige, ein und es ent- 
steht ein Trichter, welcher nun von der Pfeife 
abgeschlagen und auf einen ausgehöhlten Holz- 
klotz niedergelegt wird. Ein gleichzeitig neu auf- 
geblasenes Kölbel aus Kristallglas wurde hierauf 
in den Trichter eingedrückt, so daß nun die Farb- 
glasschicht nach allen Seiten von hellem Glas 
eingeschlossen war. Hierauf wurde der ganze 
Trichter ins Wasser getaucht. Durch die hier- 
durch folgende Abkühlung sprang der äußerste 
Mantel (dies war das zuerst zum Nabel auf- 
getriebene Kristallkölbel) ab und hatte nun der 
 
 
_ _ __ „ Abb. 33. Glas mit Darstellung einer 
Trichter nach außen hin den gewunschten Uber- Löwenjagd, rubinroter Überfang
	        
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