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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 2)

Die Besuchskarte dürfte in

Paris gegen Ende des XVII.

jahrhunderts aufgekommen

sein." Noch in der ersten Zeit

Ludwigs XIV. war die Geselligkeit

 sehr wenig entwickelt, man

unterhielt keine bloßen Höflichkeitsbeziehungen;

 es gab so

wenigI-Iäuser, wo man Besuche

empfing, daß es leicht war zu

wissen, wann man hingehen

mußte, um jemanden zu treffen;

die „Leute von Welt" wohnten auch so nahe beisammen, daß sie sich's sagen

lassen konnten, wenn sie einen Besuch machen wollten und ob sie um die

und die Stunde zu Hause sein würden. Dreißig Jahre später war es schon

anders. Wer zur großen Welt gehörte oder gehören wollte, mußte nun

bereits zwei Tage in der Woche vier bis fünf Stunden auf Besuche verwenden.

 Die Stadt oder doch der Bezirk, wo man wohnen konnte, war ausgedehnter

 geworden, ein An- und Absagen der Besuche wäre zu umständlich

gewesen. Da geschah es denn natürlich oft, daß man niemanden zu Hause

traf, ja ein Satiriker der Zeit spricht schon von dem heimlichen Vergnügen,

das der Besuchende empfindet, wenn dies der Fall ist:

Il airne qu'a la porte un zele domestique

Lui dise: On est sorti. C'est alors qu'il ressent

Certain plaisir secret de voir qu'on est absent.

Zuerst hinterließ man dann seinen Namen mündlich bei der Dienerschaft,

später wurde es üblich, sich auf einem Bogen einzutragen, der beim Portier

auflag, endlich verfiel man auf Besuchskarten. Hierzu benutzte man anfangs

Spielkarten, auf deren Rückseite man den Namen schrieb:

Sur le dos d'une carte on fait sa signature

Pour rendre sa visite au dos de la serrure.



Modigliani „Old artistic Visiting Cards" im „Connoisseur", 1905, vol. XI, Nr. 42 und 44,stlitzen sich auf die Sammlungen

 des Dr. Piccinini und des Königlichen Kupferstichkabinetts inRom sowie auf die desMuseo Civieo in Venedig.

 Pazaurek hat für seine Aufsätze außerdem noch Maa

terial aus dem Berliner Kunstgewerhemuseum und aus

einigen deutschen Privatsammlungen, die auf der Stuttgarter

 Ausstellung vertreten waren, benutzen können. Endlich

 haben A. Bertarelli und D. H. Prior Reproduktionen

von a5 alten ital. Besuchskarten veröifentlicht (Scelte di

vecchie carte da visita italinne. Milano xgoo). Irn folgenden

werden auch die wenigen Stücke, die sich in den Wiener

städtischen Sammlungen befinden, zum Vergleich herangezogen

 werden. Um ein möglichst vollständiges Bild der

Figdorsehen Sammlung zu gehen, werden mehrere besonders

 charakteristische, aber schöne Stücke, die bereits in einer

 der genannten Publikationen abgebildet sind, hier nochmals

 reproduziert, ohne daß dies jedesmnl bemerkt wird.

' Das Folgende nach dem oben zitierten Aufsatz

im „Gaulois illustre". Abb. 3


            
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