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Full text: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 6 und 7)

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langsames Sterben von ebensoviel Jahren. Wir wissen genau, daß das herr- 
liche Freiberger Modell eines Schmelzers nach 60 Jahren von einem zweiten 
Freiberger Meister nachgebildet worden ist. Die Geschichte des Bacchus 
auf dem Deckel unserer Kanne ist aber noch viel länger. 
Wir können eine Vorstufe zu diesem Kleingebilde schon x522 auf einem 
Kupferstich nachweisen; Beham und Flötner haben dann an seiner Aus- 
gestaltung gearbeitet, und auch bei Jost Amman kommt das Motiv vor. 
Unserer Deckeliigur zeitlich am nächsten stehen Blätter von 158! und 1582 
des Punzenstechers I. S. Um diese Zeit wird etwa das Modell entstanden 
sein, wenn auch unser spezielles Exemplar wesentlich jünger ist. 
Wie die Dekorationsmalerei eine handwerkliche Kunst - ars fabrilis - 
ist, deren Inhalt und Form durch die große Kunst - ars _ bestimmt wird, 
so werden auch die Deckelfiguren gemeinhin von den großen Bildhauern 
und berufsmäßigen Entwerfern vorgebildet und dann von den Goldschmieden 
in Metall übertragen. Manchmal aber sind auch die ausführenden Meister 
selbst die Entwerfer. So ist es wahrscheinlich der Fall bei Albrecht Dürer 
dem Älteren, bei Jan Lutma dem Älteren und bei dem Nürnberger Gold- 
schmied Hans Keller, 1' x672, die sich alle drei mit kleinen Figuren in der 
Hand haben porträtieren lassen. 
 
Figur x13. 
Münzbacher, i], nat. 
Gr. (Sammlung Fig- 
dor). Im Text nicht 
erwähnt
	        

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