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Full text: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 8 und 9)

elsässischer Städte vorfinden. Eine weit höhere Gattung von Dienst- 
wohnungen bezeichnet die eine Häuserreihe in der „Reitenden Dienerstraße", 
die, nach einheitlichem Planschema mit wohlausgebildeter Vorderfront 
gebaut, mit rückwärtigem Gärtchen, Waschhaus und W. C. ausgestattet, 
zeigen, daß die Wohnungsfürsorge den wirtschaftlich Schwachen gegenüber 
älter ist, als gemeinhin angenommen wird. Die schmucken I-Iäuser gehören 
dem XVI. Jahrhundert an. 
Ein von 1580 datierter Holzschnitt, dessen Autor unbekannt ist, gibt ein 
anschauliches Bild der gesamten Stadtanlage in Vogelperspektive. Mag daran 
vielleicht auch manches nicht haarscharf mit derWirklichkeit übereingestimmt 
haben, so ist das Blatt doch insofern von Wichtigkeit, als es den vollen 
Bestand vieler seither verschwundener Bauten zeigt. Die Neuzeit mit ihrer 
völlig veränderten Wertbemessung des Baulandes verändert dieses Bild 
langsam, aber sicher mit der Zeit von Grund aus, und zwar um so rascher, 
als der Vertreter baupolizeilicher Ideen, der heilige Bureaukratius, sein 
Attribut, das egalisierende Lineal, ausgiebig gebraucht, vor allem Tabula rasa 
zu machen sucht mit alle dem, wovon bei einer großen Zahl einfacher Bürger- 
bäuser die Wirkung geradezu abhängt. Man stelle sich einmal Häuser wie 
auf Abbildung 18, 19 ohne die ver- 
glasten Vorsprünge vor! Was 
bleibt ohne diese von Wirkung 
dann noch übrig! . . . 
Die ursprüngliche Bebauung 
mag, wie das ja in den mei- 
sten mittelalterlichen Städten, ge- 
wachsenen wie angelegten, der 
Fall ist, auf annähernd gleich 
großen, ziemlich tiefen Parzellen 
entstanden sein, die jedenfalls, 
wie es damals üblich war, zu- 
nächst in Bodenleihe vergeben 
wurden und erst mit der Zeit 
freies Eigentum, plena proprietas, 
der Ansiedler geworden sind. Fast 
durchweg ist die Giebelseite der 
Straße zugekehrt. Die Entwick- 
lung des Grundrisses folgte mit- 
hin der Tiefenrichtung. Innerhalb 
der umbauten Blocks blieb aus- 
giebig bemessener olifener Raum 
für Gärten und Hofanlagen. Für 
hinreichenden Luftzutritt, für Be- 
sonnung -Beigaben, deren große 
 
Abb. 44. Lüneburg, Beispiel eines einfachen Fachwerk- _ __ 
hauses Teile unserer modernen Stadte
	        
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