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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 8 und 9)

schön waren), den mit iiguralem und ornamentalern Schmucke reich bedachten

Altären (der I-Iauptaltar ist größtenteils erhalten), muß, den kurz vor Eintritt

der Reformation abgefaßten Verzeichnissen nach, der Reichtum an liturgischen

 Gewändern beispielsweise enorm gewesen sein. Und daß eine Stadt

mit so vielen geschickten Goldschmieden in vorreformatorischen Zeiten auch

manchen schönen Kelch, vorzügliche Monstranzen aufzuweisen hatte, ist

ohne weiteres anzunehmen. Einige wenige davon bewahrt die Kirche noch.

Von der allerersten Anlage sind keine Reste vorhanden. Der jetzige Bau,

eine, wie gesagt, ursprünglich dreischiftige, später erweiterte fünfschifiige,

nahezu quadratische Hallenkirche mit polygonalen Chorabschlüssen nach

Osten, vorgelagertem mächtigen Turmbau nach Westen, äußerlich scheinbar

 dreischiftig, weil die drei inneren Schiffe unter ein Dach zusammengefaßt

 sind, gehört dem XIII. und dem beginnenden XIV. Jahrhundert an.

Der schon Ende des XIV. Jahrhunderts fertig erbaute Turm brannte 1406

nieder, war aber 1410 mächtiger als zuvor wieder aufgebaut. Da das Ganze

ein Backsteinbau ist und das seit Ende des XIII. Jahrhunderts in Betrieb

stehende Ratsziegelhaus zur Deckung des Baumaterialbedarfes nicht ausreichte,

 wurde ein besonderer „JohannisziegelhoP errichtet. Das Fehlen

reicher architektonischer Details ist aus dem Material erklärlich. Die Wirkung

 des schlicht gehaltenen Gebäudes beruht auf seiner nur wenig gegliederten

 Masse. Vor allem spricht der zirka 105 Meter hohe Turm, dessen

vier Giebel teils Hächenhaften Schmuck, teils Lisenengliederung aufweisen,

dabei wesentlich mit. Aus den Turmkanten und über den Giebeldreiecken

steigt dann die mächtige, in Kupfer eingedeckte, achtseitige Pyramide auf,

durch ihre Form sowohl als durch die leuchtend grüne Patina ein Wahrzeichen

 der alten, schönen Heidestadt. Noch heute klingt, allmorgendlich

nach allen vier Windrichtungen geblasen, ein Choral von der Höhe dieses

Turmes herab - ein eigenartig sympathisch berührender Brauch, der wie ein

Stück wirklich guter alter Zeit sich in den beginnenden Tageslärm der zu

neuem Emporblühen sich anschickenden Stadt mengt, verklingend in den

Weiten der ehemaligen Heide, die heute vielfach in blühende Gärten umgewandelt

 ist. -Die einzelnen Kunstdenkmäler der Kirche hier zu katalogisieren,

ist überflüssig. Das haben Berufenere in vorzüglicher Weise getan. Es

handelte sich darum, den Umriß eines der interessantesten deutschen Städtebilder

 zu zeichnen, bei dem das mittelalterliche, bodenständige Wesen in

vorwiegender Weise zum Ausdruck kommt, während in anderen I-Iansastädten

 seit dem Ende des XVI. Jahrhunderts holländischer Einfiuß die

Oberhand gewinnt. Manches mag anderswo zu weit reicherer Ausbildung

gekommen sein. Aber es trägt den Stempel des Importierten. Es ist nicht in

gleichem Maße mit dem Boden verwachsen. Man spricht und singt sehr viel

von Vaterlandsliebe und Vaterlandsstolz - aber man reist viel lieber ins

Ausland und weiß im großen ganzen eigentlich recht wenig von den großen

Schönheiten der eigenen Erde, von den Monumenten der Vergangenheit

auf heimatlichem Boden. Lüneburg ist unter ihnen eines der wertvollsten.
            
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