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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 8 und 9)

plastische Formen unmittelbar zu erkennen. Eine ganz ähnliche Übereinander- 
stellung von Kinderi-igürchen zu einem aufsteigenden Rahmenwerk bietet der 
Gedenkstein des kunstsinnigen Hans Herzheimer, von etwa 1510 in der 
Klosterkirche von Frauenchiem- 
see." 
Gegenüber der gebundenen 
Haltung der I-Iauptfiguren spricht 
aus den Putten und Engeliigür- 
chen eine auffallende Frische und 
Beweglichkeit, dabei auch ein 
gewisses Verständnis für die 
molligen Kinderformen, das ohne 
äußere Anregung sich bei diesem 
Künstler kaum erklären läßt. Auf 
keinen Fall haben sie etwas mit 
den Engelchen im Ornament- 
gezweig sp ätgotis cher Altarkunst 
gemein. Ich kenne kein Werk 
der Tiroler Grabplastik, in der 
sich in so intensiver und doch 
' so naiver Weise die beiden Stile 
vermengt haben. Aber trotz allem 
bleibt das Werk im innersten 
Kerne durchaus gotisch und die 
unbeholfenen Zierformen des 
neuen Stils und die munteren 
Putten vermögen über das Alter- 
tümliche nicht hinwegzutäu- 
sehen. 
In seinem gotischen Gehalt 
aber äußert das Denkmal andrer- 
seits auch wieder eine ausge- 
reifte Routine, die vor allem in 
der sorgfältigen Durchbildung 
der Rüstung beachtet werden 
will und in der Innigkeit des Er- 
Abb. 4. Grabplatte des Wolfgang vonWindeck im Kreuzgang bännde-Christus ihre höchste 
von St", wnm, bei mnsbmck Stufe erreicht. Man sieht sich in 
diesem Werke einem Meister 
gegenüber, dessen künstlerische Ausbildung eine Reihe von Jahren zur Vor- 
aussetzung haben muß, einem Meister zugleich, der unter den Frührenais- 
sance-Plastikern Tirols unstreitig die erste Stelle beansprucht. Hans Semper 
gebührt das Verdienst, diesen Meister uns zuerst genannt zu haben. Er 
" Die Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, I, 1768 und Tafel 236.
	        
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