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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 8 und 9)

DVD

Darstellungen hat ihr Format, denn es stimmt überein mit dem Normalformat der Leinwande

 für Wasserfarbenmalerei. Also ist Bruegel zwar in der Tradition, die auf die

höiische Kunst zurückreicht, geblieben und altertümlich inmitten der romanisierenden

Umgebung ganz vereinzelt. Aber seine naturnahe Art hat ihn zu einem Einzigen gemacht;

selbst keinem der folgenden Künstler bis auf unsere Zeit, weder Courbet noch Claude Monet,

war es gegeben, so überzeugend und anheimelnd den Schueewinter zu schildern, wie es

der Bauernbruegel in seinem Februarbild „Der Jäger im Schnee" imstande gewesen ist.

KLEINE NACHRICHTEN 50'

BERLINER KÜNSTAUSSTELLUNG IQII. Die offizielle Kunstausstellung

hat in diesem Jahr sich eine Anziehung von besonderem Reiz zugelegt, die retrospektive

 Abteilung. Alt-Berlin, das jetzt so modern geworden, gab das Thema. Es entfaltet

sich in den Bildern von Hummel, dessen Eckladen der Schloßfreiheit mit der feingestrichelten

 Spitzen- und Seidenauslage, dem anbietenden Händler und der zierlichen Demoiselle

 im gleitenden türkischen Schal ganz in die Jettchen Gebert-Sphäre versetzt, in

Gärtners groß ausgebreiteten, etwas trockenen Ansichten des Schloßhofes mit seinem

grauen Viereckraum, erfüllt durch Kleiniigurenwerk, bunte Uniformen, Haubenhüte,

drapierte Staatskarossen. Verwandt ist dem Brückers Zeughaus mit seiner Staffage von

oblatenhaft ausgemalten Püppchen, Modeminiaturen der dreißiger Jahre in weiß und rosa

Tüll und grünen Redingotes.

Krüger und Steffeck sind die lebendigen Chroniqueure des militärisch-gesellschaftlichen

 Berlins, vor allem des Berlin zu Pferde. Und Blechen bringt dazu mit seinen Palmenhäusern

 der Pfaueninsel, die er mit rotbehangenen Odalisken ausstattet, die sehr

charakteristische Note einer etwas nüchternen Exotik.

Eine Schinkel-Galerie schließt sich an mit schönen antikisierenden Stühlen bestellt

und mit einer reichen Auswahl seiner Theaterszenen und dekorativen Entwürfe, die, wie

es auch schon die Proben auf der Jahrhundertausstellung zeigten, unserem Geschmack so

nahe kommen.

Man sieht da einen Saal für das Drama „König Yngourt", der mit seinen Treppen,

Galerien, großen Ausgangspforten, Durchblicksperspektiven Erinnerung an die Halle in

Reinhardts „Othello" weckt. Zur „jungfrau von Orleans" ist ein getreues Abbild desRheimser

Domes skizziert. Zur „Zauberilöte", die Schinkel besonders liebevoll behandelte, findet sich

ein von feierlichem Architekturrhythmus erfülltes Tempelfinale auf dem Hintergrund einer

visionhaft luftig verdämmernden Pyramide. Vor allem aber begegnet man griechischen

Tempeln; zur Oper „Olympia" vor wild zerklüfteter Bergschlucht, dann dem Apollotempel

zur „Alceste" mit anspringenden Flügelrossen, gekrönt von der Sonnenscheibe, und dem

Vestatempel zur „Vesta1in", einem klingenden, von einströmendem Oberlicht besonnten

Pantheonrund.

Eine Reihe Interieure der Zeit, gut mit echten alten Stücken komponiert, folgen. Der

feine Kultursinn Ernst Lessings, der in seinem eigenen hellen Sommerschlößchen auf

Schwanenwerder voll Paretz-Stirnmung sich so rein aussprach, spielt hier Variationen über

das Thema: die stillen Stuben. Es durchweht sie der dünn zitterige Hauch alter Saiteninstrumente,

 des Spinetts mit den buchtig geschwungenen Seitenpfostenwangen und dem

zierlichen Holzüligran der Stimwand, und des aufrechten Hammerklaviers, das man

Giraffe nannte, mit seinem steilen, wie eine Kaminesse aufgesetzten Oberteil, den über der

mit Seide unterlegten Durchbruchßäche eine Bronzeleier schmückt. Die Möbel aus Altberliner

 Privatbesitz fügen sich zu lebendigem Ensemble: verblaßte Tapisserieofenvorsetzer;

 weiße Reliefschirmständer vor Astrallampen, schmale Regale mit dünngliedrigem

Messinggitteraufsatz, der Nähtisch als Dreifuß, in dem umklammert wie ein Globus die

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