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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 8 und 9)

Kugel zum Aufklappen mit Kästchen und Fächerspielwerk liegt; das Sofa mit den Füllhornprofilen

 der breitausgeschwungenen Seitenlehnen; die Servante mit Säulen und Giebel

aufgebaut und mit weißen Gitterporzellanen gefüllt; der Sekretär mit Alabasterecksäulen,

Spiegelkastenaufsatz. Spitzbogengitterrand und im Innern mit der Tempelminiatur auf

Marketterieboden. Und schließlich voll Tegel- und Humboldt-Stimmung der polygonale

Gartensaal mit seinen Damaststühlen, den Nischen, eingefaßt von Tapetenbändem mit

grünen Rankengewinden, für Büsten und dem Säulenschaft inmitten mit der Blumentubavase

 von Grazien umgeben.

Besonders erlesene Stücke der Biedermeierzeit sieht man dann noch in dem von

Biberfeld zusammengestellten Schlafzimmerinterieur. Sein Stolz ist das mächtige Bett,

ein Kastengefiige aus gelber Birke, dessen Seitenlehnen in ihren oberen Teilen halbrund

ausgeschnitten sind. Fest fundiert und dabei doch leicht wie in Federn schwebend erscheint

 der Bau und der gelbe Baldachin wird von vergoldeten Fackelträgern gehalten.

Das schwingende Motiv des I-Ialbrunds kehrt auch sonst wieder in der sanft ausgebogenen

 Sofabank mit der Sprossenlehne und ihren ausgeschnittenen schwarzen Lyramotiven,

 in den Wandkommoden, die sich nach vorn schwellend runden, in den kurvig

geschweiften Chaiselongues. Und rhythmisch begleitet wird das von der steilen Geradlinigkeit

 der zylinderförmigen Sockel aus gelber Birke mit schwarzen Leisten, die hohe blaue

Vasen aus königlichem Berliner Porzellan tragen. In kleinen Seitenkabinetten findet sich

noch manches Kultur-Bric-a-Brac: an den Wänden Hosemann-Blätter, farbige Kupfer,

Berliner Plätze und Straßen, Menzel-Reliquien voller Humor, so die Trostblätter auf den

Tod des zertretenen Frosches, 1835 der Frau Arnold gewidmet; in den Vitrinen die

bescheidenen, aber doch interessanten Arbeiten der Berliner Eisengießerei, die Reliefplaketten

 für die Fassade der eisernen Öfen und - eine besondere Kuriosität - als unzerreißbare

 Neujahrskarten, ferner Teller mit Durchbruchrand. Dem schlichten Eisen

benachbart liegt biedermeierliches Silber. Die alte Berliner Firma Vollgold hatte die glückliche

 Idee, die Stempel der Vorväterzeit herauszusuchen und ihre preziös galante Emblematik

 der bogenspannenden Amoretten, der Genien um den Rosenbusch, der Trauerweiden,

 der verschlungenen Hände -verwandt den Vignettenkünsten des Bu chschmucks

- auf Löffel und Dosen zu prägen.

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Die Ausstellung bietet auch sonst, wenngleich Mittelmäßiges und Konventionelles

immer noch übergroßen Raum einnimmt und die Durchquerung mühselig macht, anregungsvolle

 Haltepunkte. Geschmackvoll ist das Arrangement der Plastik im Grünen. Reliefs sind

in Heckenwände eingelassen und Brunnen plätschern. Hübsch ist vor allem Walter Schotts

Brunnen: ein Rundbecken mit goldglitzrigem Mosaikgrund, daraus aufsteigend ein runder

Mittelschaft mit einem Muschelkalkfries aus Laubbehang und wasserspeienden Masken;

er trägt oben wieder ein Becken mit einer Springstrahlfontäne und auf seinem breiten Rand

schlingt sich der Reigen dreier Mädchengestalten aus Bronze in Flattergewändern. Wellenbewegt

 ist ihr Rhythmus und ein lebendiges Motiv dazu, daß von dem Strahl Perltropfen

schimmrig auf die dunkle Bronze sprühen und in den wehenden Falten hängen bleiben.

Eine Sonderausstellung spricht mit eindrucksstarker Gewalt, die der jungen Schweizer.

l-Iodlers künstlerischen Atem Hihlt man in dieser Generation, die auf die große vereinfachte

Form, auf Monumental-Flächenwirkung, auf Farbenakkorde voll klingender Fülle ausgeht.

Da ist Edmond Bille mit dem leuchtenden Bild „Die Meinen", von hellem Frühlingsglanz

 der grünsprießenden Wiese, der roten Kinderkleider und der streitigen Trikots.

Max Buri nimmt naturalistische Motive, zum Beispiel ein paar Dienstmädchen, die am

Küchentisch schwatzen, aber das Stoffliche ist ganz überwunden zugunsten einer malerisch

dekorativen Sprache von strenger Auslese. Sie stimmt die graue Wandfläche, streiiiges

Kleiderzeug, das Irdenbraun des Geschirrs, das Schwarzhaar und den Rotschopf der derben

Mädchenköpfezu einer dekorativen Harmonie.
            
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