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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 10)

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Kraft für selbst ersonnene Formen verloren, aber -die alten Ornamente und

Techniken werden sich vielleicht kümmerlich erhalten haben, bis im XII. Jahrhundert

 eine neue Blüte der Kunst begann.

Die Ornamentik, die in China in Stein gemeißelt sich erhalten hat, wird

ursprünglich der Zierschmuck von Edelmetallen und dann von ihren Nach-"bildungen

 in Messing gewesen sein. Auch das Email cloisonne kam erst

im XIV. Jahrhundert nach China, während es im Westen von Asien durch das

datierte Stück im Museum zu Innsbruck für das XII.Jahrhundert nachgewiesen

ist. Dieses einzige Emailstück hat .der Zufall erhalten, sicher bestand eine

ganze Industrie der Schmelzarbeiten, nur sind die kostbaren Metallarbeiten

verloren, beziehungsweise eingeschmolzen. Wir können aus dem ganzen

Zusammenhang vermuten, daß die Arbeiten der Sammlung F igdor Weiterbildungen

 derartiger längst verschollener Kunstarbeiten von Westasien sind.

Marc Rosenberg vermutet ebenfalls orientalischen EinHuß, aber in

Zusammenhang mit den Inkrustationen von Goldlinien und Edelsteinplättchen

auf Nephrit und andern wertvollen Steinen. Soweit mir solche Arbeiten

bekannt geworden, sind sie indischen Ursprungs aus der Großmogulzeit und

sicher keine eigenen Schöpfungen, sondern oft kostbare, aber stilistisch wenig

wertvolle Nachahmungen westlicher Kunst. Schon die Anwendung der

Technik bei ganz bestimmten Gegenständen wie Säbelgriffen, Schmuck und

Schalen sowie in ganz bestimmten Mustern und Farben zeigt, daß keine

nationale Erfindung vorliegt, sondern die Nachahmung einer zufällig entstandenen

 Mode aus späterer Zeit.

Die westasiatische Kunst seit der Sassanidenzeit bis zu der Mongolenherrschaft

 ist fast unbekannt. Die Kriege haben die Völker und ihre Werke

vernichtet, der wirtschaftliche Niedergang die Kunst am Aufblühen verhindert.

 Durch die damals in hoher Kultur stehenden Völker Zentralasiens,

besonders durch die Türken und die Missionäre der Buddha-Lehre sind viele

Kunstformen nach dem Osten gewandert und dort erhalten.Im zweiten Bande

meiner chinesischen Kunstgeschichte bemühe ich mich ganz besonders, diesen

bisher wenig beachteten Einfiuß des Westens auf Ostasien klarzulegen.

Andrerseits, als unter der Einwirkung der nationalen Malerei in China

der naturalistische Stil zur vollen Blüte gereift war, drang zuerst mit den

Mongolenhorden und dann durch den Welthandel neben typischen Kunstformen

 auch der ostasiatische Geist befruchtend bis nach Europa. Bei sorgfältigem

 Studium wird sich noch manch überraschender Zusammenhang

zwischen West und Ost in der Renaissancezeit ergeben. Der spielerischen

Chinoiserie des XVIII. Jahrhunderts, die in oberflächlicher Weise zufällige

Formen, aber nicht den Geist östlicher Kunst nachahmte, ging etwa im

XV. Jahrhundert eine viel wertvollere Anregung aus Asien voraus. Gleichzeitig

 kamen neue Techniken und Ornamente aus dem Westen nach China,

aber dort war die heimatliche Kunst so sehr erstarkt, daß wohl der Formenschatz

 vermehrt und die Technik verbessert, aber kein wesentlicher Einfluß

auf den Stil der Kunst ausgeübt werden konnte.

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