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fullscreen: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 11)

schabloniert ist. Schmetterlinge und Blüten bilden das Motiv. Der Stoff kommt 
teils glatt, teils gefaltet zurVerwendung. Das Holz der Türen und Wände ist 
weiß. Die Möbel sind hellgrau und violett. Diese Farbe haben auch die Seiten- 
und Türvorhänge, während die Scheibenvorhänge hellgelb sind. 
Die gesamten schönen Innenräume des neuen Deutschen Theaters sind 
im modernen Stil gehalten, der bis jetzt noch in keinem andern Theater der 
Metropole zu finden ist. Nur die Fassade ist sehr banal. Sie blieb nahezu 
unverändert, als man eine ehemalige Rollschuhbahn zum neuen Deutschen 
Theater umbaute. Der Zuschauerraum wurde von Alphonse Mucha durch 
stimmungsvolle Gemälde dekoriert. Von diesen seien die stark wirkende 
„Tragödie" sowie die „Komödie" und die „Wahrheit", die über dem Vorhang 
angebracht ist, hervorgehoben. Für den Vorhang wurden das amerikanische 
Eichhörnchen und die Eichel sowie die Taube als Hauptmotiv verwendet. 
Leider konnte sich das neue Deutsche Theater, das am x. Oktober 1908 
eröffnet wurde, nur eine Saison lang halten. Heute ist es amerikanisch, die 
Innendekoration ist aber geblieben. Da sie gefiel, so ist es wohl möglich, daß sie 
auf den Geschmack unserer Kunsthandwerker nicht ohne Einfiuß bleiben wird. 
Gerade in der Innenausstattung hängt man jedoch hier noch sehr am Alten. 
Wie aber die kunstgewerblichen Ausstellungen der letzten Saison be- 
wiesen haben, sind genug Anzeichen dafür vorhanden, daß man immer mehr 
von der Nachahmung alter Stilformen abkommt und sich der Moderne zu- 
wendet, also nach einer Persönlichkeitskunst strebt, die für ihr Motiv auch 
die eigene, besondere Form verlangt. Ein weiteres Zeichen hierfür ist auch, 
daß in den Vereinigten Staaten immer mehr kunstgewerbliche Fachschulen 
entstehen, die fast alle im Geiste modernen Fortschritts geleitet werden. 
AUS DEM WIENERAZKUNSTLEBEN s:- von 
LUDWIG HEVESI-WIENSP - 
OSEF ENGELHART. Die Sezession beginnt ihr Ausstellungsjahr mit einer um! 
fassenden Rundschau im Schaffensgebiete Josef Engelharts. Der Katalog, an sich eine 
reizende Nummer für das Büchergestell des Wiener Kunstfreundes, enthält 233 Werke, 
von denen x20 auch abgebildet sind. Eine ausführliche illustrierte Studie über Leben und 
Werk des Künstlers habe ich vor einigen Jahren in dieser Zeitschrift gegeben und darf 
mich auf sie beziehen. Seitdem hat die Zeit, das Veränderlichste auf Erden, wieder ein 
anderes Gesicht bekommen. Sie drängt immer mehr zum Stil, und zwar zum persönlichen, 
dem auch der sachliche und zweckliche sich unterordnet; der Zeitstil findet sich ja 
ohnehin ein, weil es keine zeitlose Person gibt, weil keine Person außerhalb ihrer Zeit 
leben kann. Das künstlerische Interesse strömt den starken Naturen zu, denn nur diese 
haben in höherem Grade, was man Qualität nennt. Auch Engelhart ist auf diesem Wege. 
Seine letzten Plastiken zeigen es deutlich. Zunächst fuhrt ihn wohl sein wienerischer 
Instinkt (in der Hygiea des Robert Koch-Denkmals auf Brioni) in die Gegend unseres boden- 
ständigen Klassizismus, der Klieberzeit etwa, wobei ein Fond von populärer Derbheit die 
Akademik abwehrt. Der Schritt von der jünglingshgur für das Grab seines Vaters zu der
	        

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