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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 11)

Worte „fundes paulatim in marmore". Diese Stelle kann nur die Herstellung

des „Zains" betreffen. Das Gold wird in einen Einguß aus Marmor gegossen.

Wie aber sah dieser Einguß aus? War es ein offener Zaineinguß, wie er seit

Jahrhunderten in der Goldschlägerei üblich ist und wie ihn beispielsweise

Abbildung 1 in Teil a zeigt? Oder war es eine geschlossene zweiteilige Steinform,

 wie sie der „Messingbrenner" zu des schon genannten Weigels Zeiten

und später noch zum Gießen der Messingtafeln, dem Ausgangswerkstück

des Rauschgoldes und seines Endproduktes, des (unechten) Schaumgoldes,

benutzte? Darüber wird kaum absolute Klarheit zu schaffen sein. Man geht

aber wohl nicht fehl, wenn man sich den Marmoreinguß als offenen Zaineinguß

denkt. So wäre auch das „fundes paulatim" erklärt, das zu vorsichtigem

Gießen mahnt und beim offenen Zaineinguß jedenfalls mehr Berechtigung

hat als bei der geschlossenen Fonn.

Erwähnt wird das Blattgold auch in der in das Ende des X.]ahrhunderts

zu datierenden Abhandlung des Heraclius"', ohne daß jedoch die Kunst der

Goldschlägerei selbst geschildert wird.

DIE BLATTGOLDHERSTELLUNG ZU THEOPHILUS ZEIT.

Einen umso wichtigeren Beleg für die Weiterentwicklungider mittelalterlichen

 Goldschlägerkunst bildet die dem XII. jahrhundert zugeschriebene

Handschrift „Theophili presbyteri diversarum artium schedula", welche

Lessing" während seiner Tätigkeit als Bibliothekar in Wolfenbüttel zum

erstenmal in Druck erscheinen ließ und auf welche Beckmann""'"" als erster

Technologe und später VogelT hinwies.

Ihr Verfasser ist eine heißumstrittene Persönlichkeit. Christian Leiste,

der an Stelle des 1781 verstorbenen Lessing der Handschrift ein Vorwort

mitgab, schwankt, ob sie tatsächlich dem Presbyter Theophilus oder etwa

dem im IX. Jahrhundert nach Christi lebenden, durch seine Kunstfertigkeit

berühmten Tutilo von Sankt Gallen zuzuschreiben sei. Aber schon Beckmann

sagt: „der teutsche Mönch Theophilus, dessen eigentlicher Name Rüger

gewesen zu seyn scheint, der . . . nach Morelli Meynung im zwölften Jahrhundert

 gelebt ha ". Gleichfalls lebhaft bestritten wird Leistes Ansicht von

Charles de PEScaIQpierJ-T welcher die Handschrift sehr ausführlich besprochen

hat. Mit besonderem Interesse ist auch Albert IlgH-T der Persönlichkeit des

gewerbekundigen Mönchs nachgegangen. Ihm gilt er - ein Anklang an Beckmann

 - als ein „Rugerus" genannter Insasse des Klosters I-Ielmarshausen

an der Diemelj- das unter Bischof Meinwerks von Paderborn kunstfördem-1'

 Heraclius, De coloribus et artibus Romanorum. (Urn 994 nach Christi.) Herausgegeben von Albert

llg, Wien 1873.

'"' Gonhold Ephraim Lessing, Zur Geschichte der Literatur. Aus den Schätzen der herzoglichen

Bibliothek zu Wolfenbüttel. Sechster Beitrag. Braunschweig 1781, Seite 30g.

"" Johann Beckmann, Beiträge zur Geschichte der Erfindungen. Vierter Band. Leipzig 179g, Seite 566.

1- Emil Ferdinand Vogel, Geschichte der denkwürdigsten Erfindungen. Leipzig 184a, Band I], Seite 496.

"H Charles de YEacaIopier. Theophile pretre e! moine. Leipzig 1843.

TH-jakob von Falke, Geschichte des deutschen Kunstgewerbes, Berlin 1888, Seite 42.

1- Bei Karlshafen mündender Nehentluß der Weser.
            
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