Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Jahresbericht (1868)

18

Die Bestimmungen über den provisorisch einzuführenden Lehrplan und die Disciplinarordnung,

 welche vom Aufsichtsrathe der Knnstgewerbescbule entworfen und vom

h. k. k. Ministerium für Cultns und Unterricht mit Erlass vom 26. Juli 1868 Z. 6051 genehmigt

 wurden, sind in dem Augusthefte der "Mittheilungen des Museums" vom J. 1868

veröffentlicht worden.

Fiir die Abhaltung der theoretischen Vorträge, welche den Statuten der Kunstgewerbeschule

 gemäss fir die Zöglinge derselben und zwar (mit Ausnahme jener über

Chemie, für welche der Verwaltungsrath der Bandelsakademie den dortigen Hörsaal zur

Verfügung gestellt hat) an der Anstalt selbst abgehalten werden sollen, wurden mit Genehmigung

 des h. Unterrichts-Ministeriums vom 20'. Juli 1368 Z. 6105 vom Aufsichtsrathe

 des Instituts folgende Docenten für das Studienjahr l868l69 bestellt: Für die Vorträge

 über Perspective und Schsttenlehre mit Einschluss der Projecüonslehre Herr Valentiu

Teirich, Assistent am k. k. polytechnisehen Institute; für die Vorträge über Farbenlehre

und Farbenchemie Herr Dr. Alex. Bauer, Professor der Chemie an der Wiener Handelsakademie;

 für die Vorlesungen über die Lehre von den Kunststylen, über Kunstterminologie

 und Kunstgeschichte Herr Alois Hauser, Architekt, und für die Vorlesungen über

Anatomie Herr Dr. Ludwig Bandl, Prosector an der Klinik des Herrn Hofrathes Professor

 Hyrtl.

Die Zahl der Anmeldungen zum Eintritte in die Kunstgewerbeschule für das Studienjahr

 ISGSASQ hat nach dem Berichte, welchen das Uirectorat am Schlusse des Aufnahmetermins

 an den Anfsichtsrath und durch diesen an das Ministerium erstattete, 50

betragen, von welchen 24 auf die Vorbereituugsschule, je 8 auf die Facbschulen für Bankunst

 und üir das Zeichnen und Malen ornamentaler und iiguraler Gegenstände und 6

auf die Fachschulen für Bildhauer entfielen. Für die Vorträge über Projectionslehre hatten

sich 17, für die Vorträge über Styllehre 21, über Fsrbenchemie 14 Zöglinge angemeldet.

Seitdem hat sich die Schülerzahl auf 57 erhöht.

Diese Ergebnisse der Schülerzabl sind allseitig als vollkommen befriedigend betrachtet

 worden; wenn man bedenkt, dass das Institut ein ganz neues ist, dass es aus

drei Jahrescursen besteht, von denen gegenwärtig nur der erste activirt ist und dass im

nächsten und zweitfolgenden - wenn die Kunde von den Aufgaben und Einrichtungen

desselben in weitere Kreise gedrungen sein wird - voraussichtlich eine steigende Anzahl

von Zöglingen sich um die Aufnahme bewerben wird, so wird dieselbe in Bälde die Grenze

jener Scbülerzabl erreichen, welche bei einer solchen Specialschule gewünscht werden

kann. Eine so grosse Schülerzahl, welche dem Lehrer nicht mehr gestattet, sich mit dem

einzelnen Zöglinge individuell zu befassen, muss bei einem solchen Institute, wie die

Knnstgewerbeschule, strengstens vermieden werden, wo der Untenicht fast für jeden einseinen

 Schüler in veränderter Weise ertheilt wird und sich den nach Talent und Beruf

verschiedenen Bedürfnissen derselben anpassen soll.

Unter den Zöglingen der Kuustgewerbeschule befinden sich 7 Schülerinnen. Eine

audallende Erscheinung, welche bei der Aufnahme der Schüler für die Kunstgewerbeschule

 hervortrat, war die Mittellosigkeit, in der sich eine überwiegende Anzahl der Zöglinge

 befindet, und der Umstand, dass dieselben meist Söhne des Beamten- und kleinen

Gewerbestandes sind und nur zum geringsten Theile den Kreisen der grösseren Industriellen

angehören.

Um den Uebelständen ahzulielfen, welche hieraus für die Benutzung des Institutes

durch den Gswerbestand, namentlich von Seite der entfernteren Kronliinder zu besorgen

waren, hat sich eine Gesellschaft gebildet, welche sich die Beförderung der Zwecke der

Knnstgewerbeschule durch Unterstützung xnittelloser Zöglinge mittelst Schulstipendien, Reisestipendien

 und Aufträgen zum Ziele setzte und Anfang April bereits über ein Gründungscspital

 von 22.020 ü. und über jährliche Beiträge in der Zilfer von 1983 d. verfügte.

Schlusswort.

Die Direction des Museums glaubt auf die Ergebnisse ihrer Thiitigkeit im Jahre

1868, welche in den vorangehenden Abschnitten in den Hauptmomenten dargestellt sind,

mit Befriedigung zurückblicken zu dürfen.

Sowohl die Angelegenheit des Neubaues als die Errichtung der Kunstgewerbeschule

sind im abgelaufenen Jahre aus dem Stadium der frommen Wünsche in jenes der Thetsache

 hinühergetreten.

Die Knn ltgewerbeschule hat unter glücklichen Verhältnissen begonnen. Der

Lehrkörper ist aus vorzünglichen Kräften zusammengesetzt und bei den Schülern der

Anstalt, unter welchen sich bereits mehrere hervorragende Talente für die Kunstindustrie
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.