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Full text: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 3)

15! 
IE über hundert Nummern umfassende Sammlung 
gotischer I-Iolzskulpturen im Linzer Museum bildet 
von alters her eine Zierde dieses Instituts, deren 
Ruf von Jahr zu Jahr in weitere Kreise dringt. Der 
wissenschaftliche Wert dieser Sammlung beruht 
auf einer Reihe von Umständen, die nicht so leicht 
wieder vereinigt angetroffen 
werden und deren glück- 
liches Zusammentreffen der 
Kollektion in der Tat einen 
singulären Charakter verleiht. 
Zunächst und vor allem andern ist die Tatsache von 
wesentlicher Bedeutung, daß der Grundstock der 
ganzen Sammlung - und darunter die allerschönsten 
Stücke - schon im Jahre 1835 an das Museum kam, 
das damals auf eine erst zweijährige Existenz zurück- 
blickte. Der Propst und das Kapitel von St. Florian 
übergaben in jenem Jahre eine stattliche Reihe von 
Schnitzaltären, Gruppen und Reliefs, teils aus dem 
Besitz der alten Stiftskirche, teils aus dem von Filial- 
ikirchen. Der damalige Propst dieses Stiftes, Michael 
Arneth (der Bruder des aus Oberösterreich stammen- 
den Wiener Numismatikers und Onkel des Historikers 
Alfred von Arneth) saß selbst im Verwaltungsausschuß 
des neugegründeten Museumsvereins, als Referent „für 
das historische Fach", während das Referat „für Kunst 
und Altertum" der Linzer Bischof Gregor Thomas 
innehatte, der sein Interesse gleichfalls durch groß- 
artige Spenden betätigte. Solche Beispiele konnten 
nicht ohne Nachfolge bleiben, und so wurde speziell 
die Abteilung der gotischen Holzskulpturen noch in 
diesem Jahre und in den nächsten Jahren durch 
Widmungen von Prälaten (wie dem des Stiftes Schlägl), 
Pfarrern, Schullehrern, ja Schulgehilfen vermehrt. 
Damals wurde ja diesen Gegenständen nur ein 
„Alterswert" zuerkannt (wie auch die Inventare aus 
jenem Jahrzehnt immer nur das „sehr hohe Alter" 
betonen), das Interesse der Sammler für die ganze 5m des Käfemarkler Altars 
Gruppe von Kunstwerken war noch nicht erwacht, da (um 1470) 
  
Abb. 1. St. Laurentius. Mei- 
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