Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 3)

185

mit einer völligen Trennung von Architektur, Malerei und so weiter zu erleichtern, während

Leisching den natürlichen Zusammenhang der bildenden Künste nicht aufgibt und in scharf

umrissenen Abrissen die einzelnen Perioden der Entwicklung faßt.

PARISER AUSSTELLUNGEN. Der Monat Februar ist besonders reich an

Kunstausstellungen aller Art. Es liegt wohl daran, daB man um diese Zeit auf einen

regeren Besuch des Publikums rechnet, welches in den späteren Frühjahrsmonaten durch

zu viel andere Attraktionen in Anspruch genommen wird. Die größte Entfaltung von

gesellschaftlichen Veranstaltungen beginnt nach Ostern; es ist dann für die elegante Welt

ein ununterbrochenes Hasten bis zur Abreise in die Badeorte und Sommerfrischen. Vor

allem ist diesen Monat die Ausstellung „Aquarellistes Francais" bei Georges Petit zu

erwähnen. Die „Societe des Aquarellistes", welche seit 34 jahren besteht, erfreut sich

eines sehr guten künstlerischen Rufes. Sie umfaßt eine Anzahl bekannter Namen, für

welche das Interesse der kunstliebenden Menge stets rege ist. Die reizenden Aquarellbildchen,

 skizzenartig behandelte Aktstudien von Calbet finden immer enthusiastischen

Beifall. Sie sind in ihrer Art vollkommen und finden reißenden Absatz zur Ausschrniickung

eleganter Garconwohnungen.

Bilder von Versailles gibt es hier eine reiche Fülle und fast lauter sehr gute künstlerische

 Leistungen. Emile Adan stellt eine Serie sehr begehrenswerter Landschaften aus

Versailles, Trianon, Tirol und der Schweiz aus. Ebenso anziehend sind die sechs

Studien aus dem Park von Versailles von Mademoiselle Carpentier. Es sind dies aquarellierte

 Kohlenzeichnungen, eine Manier, welcher momentan viel gehuldigt wird. Eine

ähnliche Technik ist auch die der so beliebten stimmungsvollen Landschaften des bekannten

 Künstlers Henri Jourdain. Zwei seiner besten Bilder „Marneufer" und „Dezember",

schmücken die Aquarellistenausstellung, während er in einem der oberen Räume noch eine

Sonderausstellung von zirka fünfzig seiner Landschaftsbilder veranstaltet hat.

Doch nun zu den andern Sehenswürdigkeiten der „Aquarellistenü Gleich beim Eintritt

 wird man von einigen Blumenstücken der Meisterin Faux-Froidure begrüßt, herrliche

Rosen, Begonien, Nelken und ein besonders gelungenes Bild von Schneeballen, die sich in

einer Marmor-platte widerspiegeln. Die zahlreichen Skizzen aus der Alhambra, Sevilla,

Gibraltar, den Balearen und Tanger des Malers Georges Claude erwecken reiselustige

Gefühle, Sehnsucht nach sonnigen Gestaden.

Doigneau hat alle Phasen der französischen Parforcejagd genau studiert und dies in

sechs sehr künstlerischen kleinenjagdbildem zum Ausdruck gebracht. Die Blumen und Stillleben

 vonFilliard sind sehr schöne, farbenprächtige Darstellungen, denen nichts langweilig

Konventionelles anhaftet. Der Künstler hat eine sehr persönliche stilvolle Auffassung. Paul

Lecomte ist einer der besten jener zahlreichen Maler, welche sich mit Vorliebe auf das

unerschöpfliche Thema Bretagne verlegen. Seine Herbststimmungen sind meisterhaft

behandelt. Etwas unerwartet findet man die ganz und gar altmodisch, miniaturartig gemalten

Szenen aus dem Leben des XVIlI. Jahrhunderts von Maurice Leloir. Sie sind vorzüglich,

man ist nur erstaunt, sie in einer Ausstellung lebender Künstler zu sehen. Eine eigentümliche

 Aquarelltechnik ist jene von Gaston Le Mains. Die Bilder, auf sehr grobkömigem

Papier, machen den Eindruck, als wären sie unzählige Male überwaschen und bearbeitet

worden. Trotzdem sind hiermit, insbesondere für Laubwerk, alte verfallene Schlösser,

einsame Gartenwinkel und andere melancholische Landschaftsmotive, recht günstige

Elfekte erzielt. Die Pariser Bilder von Luigi Loir sind zu bekannt, um noch etwas darüber

zu sagen. Der Künstler führt uns diesmal in einige verlorene Winkel der Großstadt,

welche selbst einem alten Pariser ziemlich fremd erscheinen.

Noch vieles wäre in dieser Ausstellung zu bemerken und hervorzuheben, doch ich

will nur noch die Militärbilder von Detaille und von Scott erwähnen.

Detaille, der moderne Meissonier, eine Autorität für kriegerische Darstellungen, stellt

hier seine Skizzen für die so viel besprochenen neuen Uniformen der französischen Infan-15


            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.