Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 3)

terie aus. Zwölf sehr sauber gemalte, wirklich gute Militärbilder von Scott, sind eine Vorführung

 der verschiedenen französischen Uniformen des vergangenen Jahrhunderts. Sie

wirken nicht langweilig, weil jedes Bild auch eine Situation und eine gewisse Stimmung

enthält.

Beim Verlassen des großen Saales hätte man Unrecht. an der daneben von Blanche

Odin veranstalteten Blumenpracht achtlos vorbeizugehen. Es fiel mir diesmal auf, daß

eine Menge von Blumenstücken (vorausgesetzt, es sind gute Bilder) niemals so eintönig

und ermüdend wirkt wie die Sonderausstellungen von Porträten oder Landschaften. Die

Besichtigung all dieser Bilder (gegen 80 Stück), und sie sind alle vorzüglich, macht den

Eindruck eines eleganten Blumenladens, in welchem man sehr gerne verweilt.

Die Ausstellung des Automobilklub ist eine ähnliche Veranstaltung wie die des

Cercle Volney; die Aussteller müssen Mitglieder des Klubs sein, Eintritt ist nur gegen

Einladungen gestattet.

Das Beste ist hier der prachtvolle Saal, das ganze elegante Zusammenwirken der

Einrichtung der Beleuchtung und des vornehmen Publikums. Man erdrückt sich nicht vor

den Bildern, mit einigen Ausnahmen sind dieselben recht uninteressant. Die Porträte in

Bleistift von Friant sind besser wie seine Ölbilder. Die Lampenlichteffekte „ä la

Fragonard" in den kleinen Ölbildchen von Victor Lecomte sind von angenehmer Wirkung.

Giftig grün schillernde Wasserlandschaften sind von Henri Biva, recht mittelmäßige

Wintersportbilder von Bouchoir. Guinier stellt uns eine etwas gar zu süßliche Frauenschönheit

 als „Un beau soir d'ete" vor. Sechs Bretagnebilder von Le Gout-Gerard sind

vielleicht das Beste, was hier zu finden ist. Weerts ist mit drei Männerporträten und einem

weniger guten Frauenkopf „La belle Ziska" vertreten. Zwiller malt leichenfarbige nackte

Frauenkörper auf dunkelgrünem Hintergrund. Man muß davor an Henner denken. Die

Porträte von Lavergne und von Lenoir sind mittelmäßige Leistungen.

In der Abteilung für Schmuck erzielt natürlich die Vitrine von Meister Lalique am

meisten Aufmerksamkeit. Seit einiger Zeit verlegt sich Lalique fast ausschließlich auf

Arbeiten in geschnitztem und geätztem weißen Kristall. Diesmal zeigt er uns eine

Anzahl von Karaffen mit eigentümlich angewendeten Blattmotiven. Ein Kollier aus sechs

perlmutterartigen geschnitzten Medaillons, welche durch verschlungene Perlenschnüre

verbunden sind, ist der einzige Schrnuckgegenstand seiner Vitrine. Von Vever sind drei

Reifendiademe aus Diamanten äußerst geschmackvolle Arbeiten. Georges Lemaire stellt

zwei kleine allegorische Statuetten aus Halbedelsteinen und Gold aus. Im übrigen bietet

die Schmuckabteilung nichts anderes als das, was man alltäglich in den Schaufenstern der

Rue Royale und der Rue de la Paix sehen kann.

Die Galerie Durand-Rucl beherbergt die vierte Ausstellung der „Societe Moderne".

Ich will hier zuerst die besten Leistungen hervorheben: die Bronzestatuetten von Henry

Bouchard, insbesondere die kleine römische Tänzerin und die Gruppe „Spielende Pferde".

Louis Legrand ist einer jener berühmten Zeichner, denen die Menschheit zu vielem Danke

verpflichtet ist. Alle seine Bilder sind das Resultat einer feinen, humorvollen Beobachtungsgabe

 und müssen unbedingt erfreulich wirken. Der Reiz dieser trefflich gekennzeichneten

Typen und Situationen läßt sich nicht erzählen.

Gustave Jaulmes ist zwar kein sehr, sehr großer Künstler, aber seine Freskenmalereien

 sind von angenehmer Wirkung. Er bleibt den ihm charakteristischen matten

Farbenzusammenstellungen und einer gewissen Stilisierung der Figuren treu. Die Landschaften

 und Freilichtbilder von Carrera sind in grün und blau schillernder Punktiermanier

verfaßt. Maurice Chabas verlegt sich auf allegorische Kompositionen, Klostergärten,

Mondschein- und Friedhofzauber. All diese weißliehen, gespensterhaften Gestalten sind

auf dunkle blaugriine Hintergründe gebettet. Ihr Anblick ist in keiner Weise überwältigend.

Eine Abendstimmung an einem Teiche von Maurice Eliot ist ein sehr gutes Bild.

Vorzüglich sind auch zwei sonnig leuchtende Bilder aus Capri von Guillonnet, ebenso die

Schneebilder im Dämmerlicht von William Horton, besonders sein „Winterrnorgen in
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.