Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 8 und 9)

480

bleibt streng konventionell, so daß es in keiner Weise die Aufmerksamkeit fesselt. Die

bekannten Firmen Marescot, Lescure und Leon Sault zeigen uns die besten Resultate der

französischen Industrie, doch sind dieselben nicht so interessant wie diejenigen Arbeiten,

denen ein individuelles Gepräge anhaftet.

Fast hätte ich auf Clement Mere vergessen. Seine Arbeiten in Lack sowie in bemalten

und teilweise überstickten Seidenstoffen fallen stets durch ihre große Originalität auf, so

auch diesmal seine Vitrine im Musee Galliera mit den merkwürdig marbrierten Stoßen,

deren Farbenzusammenstellungen von äußerst feinem künstlerischen Geschmack Zeugnis

geben.

Die Pllege der Volkskunst in Form von Unterstützung und Förderung der Hausindustrie

 der Landbevölkerungen ist seit einigen Jahren zu einem modernen Thema

geworden. Der Anlaß und das Beispiel wurde in verschiedenen Ländern Europas von den

höchsten Persönlichkeiten gegeben. Die Gründung einer neuen Ausstellungsgalerie im

Zentrum von Paris zum Zweck, die Volkskunst der verschiedenen Länder Europas in

einer einzigen Schaustellung zu vereinigen, war ein äußerst glücklicher Gedanke. Seit den

Frühjahrsmonaten ist derselbe verwirklicht, dank der energischen Initiative einer Dame

der russischen Kolonie, Madame de Schneouhr. Unter dem Titel „Art Paysan" sind in

der „Galerie Royale" (13 Rue Royale) die schönsten Arbeiten der Volkskunst verschiedener

Nationen ausgestellt. Der künstlerische Erfolg dieser Veranstaltung blieb nicht aus und

übertraf sogar die kühnsten Erwartungen, denn das immerhin etwas chauvinistische

französische Publikum zollte vollen Beifall und die urwüchsige Originalität gewisser bäuerlicher

 Arbeiten wirkte gerade auf den Pariser Geschmack sehr anziehend. Die praktische

und humanitäre Aufgabe dieser Ausstellung besteht darin. für die Produkte der Hausindustrien

 in Paris ein Absatzgebiet zu schaffen, und zwar durch ein direktes Herantreten

an das Publikum. Die Ausstellung in der Rue Royale soll zu einer permanenten werden

und hierdurch für die beteiligten Länder den Zweck einer Pariser Filiale erfüllen.

Vorläufig sind Frankreich, Rußland, Rumänien und Ungarn vertreten. In Kürze

werden sich auch die österreichischen Kronländer beteiligen, Schweden und Irland sind

in Aussicht gestellt.

Über jedes einzelne Land wäre ein Kapitel zu schreiben, ich will jedoch hier nur noch

erwähnen, womit die einzelnen Abteilungen am meisten Erfolg erzielt haben. Frankreich

bleibt unerreicht da, wo es sich um die feinsten Kunststickereien in Weiß handelt, und die

Arbeiten aus den Vogesen sind das Beste, was auf diesem Gebiete geleistet wurde.

Rußland glänzt durch die Mannigfaltigkeit seiner geschnitzten und bemalten

Holzarbeiten. Die meisten der Spielwaren sind kleine Kunstgegenstände und übertreffen

weit alles Ähnliche, was die moderne Industrie auf den Markt bringt. In Metallarbeiten,

Stoffen, Spitzen und Stickereien liefert das russische Reich eine große Anzahl von Aba

arten, in denen der Stil der nördlichen Gegenden von dem in Südrußland vollständig

abweicht.

Die ungarischen Arbeiten waren für das Pariser Publikum eine wirkliche Neuheit.

Die Farbenprächtigkeit der ungarischen Stickereien, alles was einen ausgeprägten nationalen

 Charakter besitzt, iindet sehr viel Anklang, weil es die Vorliebe für das Ungewöhnliche

 und Neue, nach dem man in Paris stets auf der Suche ist, befriedigt. Für gewisse

dekorative Effekte ist die Farbenzusammenstellung der ungarischen Muster von großem

künstlerischen Wert. Sehr fein gearbeitet sind die rumänischen Stickereien. Es sind zumeist

äußerst mühevolle Arbeiten in geschmackvollen Farben mit Gold und Silber vermengt. Die

verwendeten Stoffe, unvergleichlich feine Handgewebe, tragen viel zu der Schönheit der

rumänischen Hausindustrie bei. T11, de Kulme;

PRAG. AUSSTELLUNG DER KUNST AM HOFE RUDOLFS II.

IM RUDOLFINUM. Die Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde in Böhmen,

welche unter dem Protektorat des Thronfolgers steht, hat über Anregung ihres Präsidenten
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.