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MAK

Full text : Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 11)


Ausstellung für kirchliche Kunst. Hauptraum mit dem Blick vom Eingang aus

liegt; immerhin bliebe der Fußboden unter der Höhe des Auges. Der erwähnte

 hier fehlende Streifen wird die Namen der sieben Gaben des heiligen

Geistes enthalten, die durch die darunter befindlichen Gestalten nur bildlich

umschrieben erscheinen. Man wird vielleicht sagen, daß bei einem Kunstwerk

 Inschriften unnötig sind, daß die Gestalten allein den Gedanken vollkommen

 ausdrücken sollen. Man soll solche Darstellungen jedoch auffassen

wie ein Lied: das Wort oder vielmehr der Gedanke, der durch das Wort

erweckt wird, ist gewissermaßen der Text, das Bild die Melodie des

Liedes. Tatsächlich ist es Ferdinand Andri gelungen, zu einem erhaben einfachen

 Texte eine große und feierliche, ruhige, aber nicht eintönige Melodie

zu finden.

Wenn wir uns die große schlichte Kirche Plecniks denken, deren Innenraum

 einigermaßen einer altchristlichen Basilika gleicht, so können wir uns

wohl vorstellen, daß diese große blaue Fläche mit den leicht hingehauchten

Gestalten einen äußerst erhabenen Eindruck macht. Man wird zunächst das

Licht-undRuhev0lle, das Feierlich-Gleichartige derErscheinungen empfinden;

bei näherem und öfterem Zusehen wird man jedoch auch erkennen, daß die

Gestalten bei aller Ähnlichkeit doch zarte Unterschiede voneinander haben,

so wie die Gaben des Geistes einander wohl ähneln, aber nicht gleich sind.
            
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