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Full text: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 1)

der Schließe zeigen eine Darstellung der Verkün- 
digung in Relief. Unter dem Mantel kommt die 
Rechte, im beringten Pontiiikalhandschuh, hervor, 
der Daumen ist zwischen die Blätter eines reich 
gebundenen Buches gesteckt, zwischen den andern 
Fingern wird die gefranste Stola emporgezogen, 
so zwar, daß unter und zwischen ihr in jener voll- 
kommen ohrmuschelähnlichen Form wieder ein 
Stück von der andern Hälfte des Pluviales mit 
dem gestickten Bildsaum zum Vorschein kommt, 
wie andrerseits neben dem rechten Fuße des 
Heiligen ein Stück der Stola über das Pluviale 
heraufgezogen und umgelegt ist! Das sind Gewand- 
motive von schwerer Pracht und studiertem, fast 
ausgeklügeltem Reichtum. Das Emporziehen der 
Stola läßt sich damit motivieren, daß damit ein 
Halt für den päpstlichen I-Iirtenstab geschaffen 
werden sollte, der dem Apostel nicht mehr in die 
bereits anderweit beschäftigten Hände gelegt 
werden konnte; aber die beiden andern Motive, 
besonders die unter der Stola hervorgezogene 
Vclute, sind fast unmöglich und überraschen selbst 
in dieser Stilepoche durch ihre Kühnheit. Die 
Linke Petri hält den mächtigen, reich ausgestatteten 
Schlüssel. 
Wieder aber ist es der Kopf, der den Blick 
von der Bewunderung dieses überreichen Details 
abzieht und mit magnetischer Gewalt festhält 
(Abb. 14). War das Haupt St. Wolfgangs auf den .. 
Eindruck einladender Güte stilisiert, so ist hier alles Abt, ,9_ Enge, in de, Pensm-sche 
drängende Energie, loderndes Feuer. Wie fein ist 
der alte Typus verwendet: der Petruskopf mit dem kahlen Scheitel, den 
flammengleichen Stimlocken und dem kurzen Vollbart, aber wie herrlich ist hier 
der Typus individualisiert zu diesem nie genug zu bewundernden Antlitz, das 
kindliche Gläubigkeit mit der stürmischen Stoßkraft des streitbaren Mannes 
vereint, dem das Schwert locker in der Scheide sitzt! Und wieviel erzählen 
diese unvergeßlichen Zügel Hier ist einer, der es sich im Leben hat sauer 
werden lassen müssen; die gewölbte breite Stirne ist von langen Furchen 
durchzogen, Krähenfüßchen laufen von den äußeren Augenwinkeln aus und 
die Wangen sind so abgemagert, daß die Backenknochen und die von den 
Nasenflügeln schräg abwärts gehenden Faltenwülste scharf hervorstehen. 
Über der Nasenwurzel hat sich jenes Geflecht von Runzeln eingenistet, das 
wir an schlichten, geraden Menschen beobachten, denen das Nachdenken 
einige Anstrengung bereitet; es ist ein einfacher Fischer, auf den die große 
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