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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 1)

leitet die Absicht, mit architektonischen Mitteln des Denk-malaufbaues die Ungunst der

Platzverhältnisse zu überwinden. So wird der Schwierigkeit, das Standbild selbst zu

bewältigen, noch jene hinzugefügt, die einem breiten, großzügigen Denkmalunterbau

innewohnt. Abgesehen davon, daß die vorhandenen materiellen Mittel dazu nicht reichen,

abgesehen davon, daß diese starken äußeren Hilfsmittel der Aufgabe und der Person

des zu Ehrenden widerstreiten, sind in der Regel auch die künstlerischen Kräfte unzulänglich,

 mit denen dieser große Apparat bewegt wird.

In dem vorliegenden Fall kann wohl nur kluge Beschränkung auf ein einfaches Standbild

 ohne einen lärmenden dekorativen Apparat zum Ziele führen. Auch die Beziehung

zur Parkanlage dürfte nur mit den einfachsten Mitteln bewirkt werden, die keine aufdringliche

 Bedeutung anstreben. Es würde zu den vielen Dissonanzen, die auf diesem

Platze bereits bestehen, nur eine neue hinzugefügt.

Die leidige Platzfrage, welche so vielen Wiener Denkmälern hinderlich war, scheint

auch hier wieder Schaden zu stiften. Man kann an dem Friedrich Schmidt-Denkmal am

deutlichsten erkennen, was einem exponierten Platze vor dem Rathaus an Nachteilen

innewohnt. Man sollte aus einmal begangenen Mißgriifen lernen.

Die spanische Wand aus Fichtenbäumen ist leider gar vielen Standbildern in Wien

beschert worden. Es scheint fast, als ob hier ein neuer Fall konstruiert würde, bei

dem schließlich noch ein Kompromiß mit dem Stadtgärtner gepflogen werden muß, der

kläglich endet.

DIE FUTURISTEN. Vier jüngere italienische Maler (die ältesten sind 30 ]ahre alt)

bilden unter dem Namen Futuristen eine Gruppe, deren Führer F. T. Marinetti auch

das Manifest des Futurismus verfaßte. Es beginnt mit den Worten: „Wir wollen die Liebe

zur Gefahr singen, die gewohnheitsmäßige Energie und Tollkühnheit. Die Hauptelemente

unserer Kunst werden der Mut, die Kühnheit und die Empörung sein." Sie stellen sich die

Aufgabe: Bewegung, Schnelligkeit, Leidenschaft, Kampf mit ganz neuen Mitteln darzustellen,

 die nichts mit vergangenen Zeiten, mit alter Kunst gemein haben. Visionen

durch kaleidoskopisch zusammengefügte Farbenfiecke hervorgerufen, fabelhaRe Lichtund

 Farbenfeuerwerke, die absonderlichen konsequent durchgeführten Experimenten

optischer Natur gleichen. Sie verachten und hassen Museen, Bibliotheken und Akademien.

In ihrem Wahnsinn liegt Methode.

Immer wieder tauchen in unserer Zeit neue Bestrebungen auf, welche die Traditionen

 vernichten wollen und ein neues Evangelium der Zukunft predigen, das keinen

Zusammenhang mit der Vergangenheit anerkennen will. Aus der Kühnheit, welche der

Last historischer Verpflichtungen das Vertrauen in neue Krähe der Gegenwart und

Zukunft entgegensetzt, sind schon viele tolle Versuche, aber auch geglückte entstanden. Es

zeigt eine billige und seichte Oberflächlichkeit, wenn man all diesen Erscheinungen nur

mit Ironie und Verachtung begegnet.

Auch in den Tollheiten der Futuristen wie in den Arbeiten der andern Anarchisten

der Kunst stecken Anregungswerte und Entwicklungsmöglichkeiten, wenn man auch das,

was sie bieten, nicht direkt mitmachen will. Wenn auch vcrworrene, krause, unmögliche

Resultate gegen ihre Schöpfer sprechen, so vermag doch ihr Wille zur Tat, ihre Überzeugung

 von der Fruchtbarkeit neuer Impulse suggestiv zu wirken.

Wenn man den Kern von wahrer Begeisterung und Eindrucksfähigkeit herausschält,

wird man auch aus den scheinbar unhaltbaren Tollheiten Werte schöpfen können.

Sicher ist der Streit um Neues, der Kampf für Zukünftiges wertvoller als die satte

Bequemlichkeit, die sich mit der Wiederholung des Vergangenen oder des Überlebten,

weil Akkreditierten, begnügt.

Aus der Ablehnung und dem Widerspruch gegenüber dem Fertigen entwickelt sich

ein neuer Standpunkt. Das sei zur Verteidigung jener gesagt, die es wagen, den

Futurismus nicht ohne weiteres abzutun.
            
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