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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 1)

in den Korridorgängen halbhohe Postamente mit Lichtvasen, die hier eine ganz deplacierte

Schinkel-Stimmung geben. Das Promenoir des ersten Ranges, in dem sich an diesem Abend

Berlin W-Eleganz bewegte - Schleppen wie Eidechsengeschlängel oder gespaltene

Schwalbenschwänze; Raff- und Drapierungsgewänder, schmelzbeladen; Reiher in Haar und

Federn gesteckt wie Indianerschmuck; die Herren im Frack mit leider recht outrierten

Westen im Überbrettlstil, den stumpfen Klapphut tief im Genick - das Promenoir für

dieses mondän-karikaturistische Bild schien kläglich mesquin. Die Mittel hatten wohl nicht

gereicht; keine Teppiche; Linoleum, roher Maueranstrich, durch den der feuchte Wandaussatz

 durchschlug; unverkleidet die nackten Heizkörper; wenig erfreuliche Nudität, Hinterhausstil.

 Dazu auf dem Treppenpodest ein tragikomisches Wiedersehn: als Wandbild

entdeckte man die „befreite Phantasie" des Professors Gräf, dessen Modellprozeß um

das Märchengemälde in den achtziger jahren eine Affäre für Berlin war. Der schöne nackte

Körper dieser Phantasie war immerhin erfreulicher als die nackten Heizkörper, aber auf

welchen Fatinitza-Irrwegen mag er in dies Groß-Berlin verschlagen worden sein.

Den Zuschauerraum hat der Architekt Biberfeld in einer zu dieser Sphäre passenden

mittemächtigen Exzentrik-Bar-Manier ausgebaut und dekoriert. Die Flächen der Wände

und Rangbrüstung nicht glatt, sondern rillig, voll nervöser Unruhe; Farben: mattlila mit dem

Akkord von Metallnägelbeschlag. Rechts und links von der Bühne die mächtige Auswölbung

einer Loge, groß wie die Empore eines Tanzorchesters, überspannt von grünem, gelbausgeschlagenem

 Seidenhimmel. In Voutenfihrung darüber durch die Niedrigkeit des

Raumes gedrückt wirkend die Decke, hellgelb, mit ihrem dicht gereihten Lichteromament

aus Schalen wechselnd mit Röhrenzylindern.

Die Bühnenwand ist mit Kacheln ausgelegt inSchillertönen mit kapriziös und burleskem

zoologischem Zierat. Und in dieser Fließenwand öffnet sich im Rundbogenausschnitt

vom Rahmen mit metallischen Reflexen eingefaßt der Bühnenguckkasten, verkleidet mit

gelbschwarzer Gardine.

NEUE ARBEITEN LETTRES. Lettre hat in letzter Zeit einige interessante

Aufgaben großen Stils, die in unserer Zeit ja gegenüber dem Kleinzierat und dem

Gebrauchsgerät seltener sind, mit meisterlicher deutscher Kunst gelöst. Und es ist ein

erfreuliches Zeichen von Kultur, daß dies nicht freischöpferische Atelierarbeiten sind, sondern

ausBestellungen hervorgingen desAdels und des großindustriellen Patriziats. Für die Zedlitz-Trützlersche

 Hauskapelle ein Abendmahlskelch aus vergoldetem Silber von reizvollster

Abwechslung der gezierten und der glatten Flächen: der Fuß ausstrahlend in der Form eines

Morgensterns, daraus aufwachsend als gewundene Säule der Schaft, auf seinen Windungen

wie auf einem gerollten Schriftband die Namen der Stifter, darüber der Kelch in glattem

Gold mit der Aufschrift, und gleich einer Bedachung darauf in ilacher Tellerform die Patene.

Ein monumentales Stück ist der große Pokal aus reinem Gold, den der Stahlwerksverband

 seinem Vorsitzenden stiftete. Auf einem Lapissockel baut er sich auf, ein kleiner

Rundturm, durch die schönen Flächen wirkend, mitfeinfühligverteiltem ziselierten Blattzierat,

auf dem Deckel ein kraftvoll modellierter Adler, großzügig und einfach wie die Adler auf

dem Bismarck-Denkmal. Sein eigenster Schmuckvon sinnvollstem Einfall aber ist das schmale

Band aus reinem harten Stahl, das sich in l-lalshöhe um den Goldkörper spannt und in

tauschierten Buchstaben die Dedikation trägt.

Und ein drittes Prunkstück der große Krupp-Gedächtniskelch mit dem reich ornamentierten

 Fuß, um den sich wie ein Maskenkranz ganz unkonventionell modelliert die

Köpfe von Arbeitern, Kraft- und Stoifsymbole, ziehen. Und als Krönung des Deckels in

kunstreichem Fassungsrahmen die Krupp-Medaille. F. P.

ÖLN. DEUTSCHE WERKBUNDAUSSTELLÜNG 1914. Zur Er-K

 langung eines guten Entwurfes für ein Plakat der Deutschen Werkbundausstellung

ist ein Wettbewerb unter den Mitgliedern des Deutschen Werkbundes ausgeschrieben,

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