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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 1)

ziemlich hohes Eintrittsgeld angesetzt war, ist für den Verein „les Amis du Louvre"

bestimmt, und die Kenner ließen es sich nicht entgehen, die kostbarsten Tapisserien des

amerikanischen Milliardärs zu bewundern.

Die wertvollsten Stücke stammen aus dem englischen Schloß Knole in Sevenoaks

und datieren, wie nach den Trachten festgestellt wurde, aus dem Ende des XV. Jahrhunderts.

 Am meisten geschätzt werden jene drei: „Die heilige Veronika bringt dem Kaiser

Vespasian das Tuch mit dem Antlitz Christi", ferner „Das Turnier" (im Umfang die

bedeutendste Tapisserie aus dieser Zeit) und „Das Urteil Kaiser Ottos". Die Gewebe sind

reich rnit Gold und Silberfäden vermengt, die dargestellten Figuren sind sehr zahlreich

und dichtgedrängt. Es ist staunenswert, wie vorzüglich diese mittelalterlichen Kunstwerke

sich erhalten haben.

„Les lronistes de la femme" ist ein neuer Name für jene Art Künstler, welche sich

zuerst unter der Bezeichnung „I-Iumoristes" vereinigten. Man verbringt in der Ausstellung

der „Ironisten" in der Galerie La Boetie ein angenehmes Stündchen. Gar vieles gehört

zwar in die Kategorie der Fabrikation für Glückwunschpostkarten, es gibt aber darunter

auch ganz vorzügliche Einfälle und wirkliche kleine Kunstwerke. Zu den besten Arbeiten

gehört das Panneau „Pantomime" von Brunelleschi, der seine Landschaften und Figuren

in unverkennbar persönlicher Weise sehr geschmackvoll stilisiert. Ein ähnliches Lob verdienen

 die Kinderszenen von Jean Ray. Guillaume bleibt seiner etwas altväterischen

Manier treu, aber seine glänzenden Einfälle erhalten ihm die Gunst des Publikums. Seine

„Tanzstunde", „Cours de Tango" zeigt von richtiger Beobachtungsgabe. Der neue Tanz,

den selbst reife Matronen noch erlernen wollen, gehört zu den modernsten Ambitionen

der Pariser Gesellschaft.

Fabiano gehört zu den besten Zeichnern für amüsante Blätter, seine Frauentypen

sind hypermodern und sehr „chic" silhouettiert. Niedliche amüsante Aquarellbildchen sind

von Emon Dy. Sehr gut gefallen auch die farbigen Zeichnungen von Louis Icart, von

Armand Rapeno, von Robida und von Maurice Neumont. Die Pastellbildchen von Reue

Pean sind ziemlich schwungvoll entworfen und erinnern an die Plakate von Jules Grün,

stehen jedoch bezüglich der Harmonie der Farben nicht auf derselben künstlerischen Höhe.

Benjamin Rabier ist ein bekannter Tierhumorist, dessen Zeichnungen man in den

meisten Auslagen von Kunsthändlem findet. Ihre Bezeichnung als Kunstwerke wäre

nicht ganz richtig, aber sie stehen immerhin auf demselben Niveau wie die besseren

Münchner Bilderbogen. Rabiers Erfolge beruhen auf seinen guten Einfällen. Die Komik der

„Ironisten" ist fast durchwegs freundlicher Art und anmutig dargestellt, eine Ausnahme

macht nur Abel Pann, dessen Karikaturen sich durch anwidernde Verzerrungen bemerkbar

machen. Sie stammen aus derselben Familie wie die abscheulichen aufgeblähten Zwerge

von Pierre Veber.

Die Namen Raphael Kirchner, Carlopez, Fernel, Lemme, Lorenzi und Andre Warnod

sind durch hübsche künstlerische Zeichnungen vertreten.

In der Galerie Georges Petit findet gegenwärtig eine sehr anziehende Ausstellung von

farbigen Originallithographien statt. Es ist hierbei Gelegenheit geboten, sich über die vorzüglichen

 modernen Reproduktionsverfahren Rechenschaft zu geben. Ich will hier nur die

Bilder von Le Gout-Gerard, von James Hopkins, von Ralfaelli, von Henry jourdain und

die sehr merkwürdigen, ungemein plastisch wirkenden sogenannten Gipsographien von

Pierre Roche erwähnen. Th. de Kulmer

WIEN. JAHRESVERSAMMLÜNG DES DEUTSCHEN VEREINES

FÜR KÜNSTWISSENSCHAFT. Unter dem Vorsitz des Geheimrates

Professors Dr. Wilhelm Bode versammelten sich am 4. d. M. in Wien die hervorragendsten

Vertreter der deutschen Kunstwissenschaft zur jahresversammlung des Deutschen Vereines

für Kunstwissenschaft, der seine Mitglieder im ganzen deutschen Sprachgebiet zählt. Es

waren anwesend: aus Berlin der Direktor des Kaiser Friedrich-Museums Dr. Kötschau, der
            
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